Feinstaubproblem am Neckartor bald gelöst?

Stuttgart  Bekommt Stuttgart sein Feinstaub-Problem am Neckartor in diesem Jahr in den Griff? Nach einem Pollenschaden an den Messgeräten liegen jetzt alle Werte des Jahres vor. Ergebnis: Die Chancen stehen gut.

Von dpa

An dem umstrittenen Stuttgarter Verkehrsknoten gilt zunächst bis Ende des Jahres Tempo 40. Das Neckartor ist einer der Orte in Stuttgart die am stärksten von Schadstoffen belastet sind. Foto: dpa

Nach starkem Pollenflug im Frühjahr und Störungen an der Messstelle Neckartor müssen laut Experten die Feinstaubwerte an Deutschlands schmutzigster Straßenkreuzung nur unwesentlich korrigiert werden. Unter Zuhilfenahme stets parallel laufender Messverfahren lägen jetzt belastbare Datenreihen für das ganze Jahr 2018 vor, hieß es am Mittwoch bei der Landesanstalt für Umwelt LUBW in Stuttgart. Ergebnis: Bei bisher 16 Tagen, an denen die strengen EU-Grenzwerte für Feinstaub bisher in diesem Jahr überschritten wurden, besteht eine große Chance, am Ende des Jahres nicht mehr als 35 Überschreitungstage in Brüssel melden zu müssen. Das wäre eine Premiere an Deutschlands schmutzigster Straßenkreuzung.

Die Daten der maßgeblichen gravimetrischen Feinstaubmessung am Neckartor waren Ende Mai zurückgezogen worden, nachdem Mitarbeiter der LUBW auffällige Werte entdeckt hatten. Jetzt steht fest: Pollenflug beeinflusste die Messungen im April und Mai für knapp einen Monat. Die fehlenden Werte wurden durch andere ergänzt und quasi hochgerechnet. Die gute Nachricht: Unter dem Strich blieben die Grenzwerte für Feinstaub in besagter Zeit unter dem EU-Grenzwert. Heißt: Im Jahr 2018 gab es bisher 16 Überschreitungstage. In den vergangenen Jahren war die EU-Grenze meist schon zur Jahresmitte überschritten. Allerdings stehen die in aller Regel staubträchtigen Monate November und Dezember noch aus.

Kein Grund für Entwarnung also. Neueste Maßnahme der Stadt gegen die Luftbelastung ist Tempo 40 am Neckartor, dass seit dieser Woche auch überwacht wird. Gegenüber der Messstelle hat die Stadt vor einer Woche eine mobile Radarkontrolle aufgestellt, die vom Autozulieferer Bosch finanziert wird. Ein Firmensprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung.

Tempo-40-Blitzer scharf

Das Tempolimit gilt zunächst bis Jahresende und soll Anfahrt- und Bremsvorgänge reduzieren. Auf diese Weise hofft man, den Schadstoffausstoß zu senken. Bosch ist an dem Projekt beteiligt und trägt die Sachkosten. Wie hoch die ausfallen, ließ der Sprecher offen. Die Einnahmen aus den Knöllchen landen in der Stadtkasse. Die Stadt kümmere sich auch um Wartung, sagte eine Sprecherin. Das könnte sich lohnen: Wer dort mit 50 Stundenkilometern unterwegs ist, zahlt schon 15 Euro. Ab einer Geschwindigkeit von mehr als 60 Stundenkilometern sind es schon 80 Euro.

Eingehalten wurden die EU-Grenzwerte am innenstadtnahen Neckartor noch nie. 2013 musste man bei der EU noch 87 Überschreitungstage angeben, 2015 waren es 68 und vergangenes Jahr noch 41. Tendenz: fallend. Die Chance, es 2018 zu schaffen, sei aber da, hieß es am Mittwoch bei der LUBW in Stuttgart. Das Pollenproblem habe es nur am Neckartor gegeben, sagte Christiane Lutz-Holzhauer. Grund seien die vielen Bäume im benachbarten Schlossgarten. Die gestörten Messeinrichtungen würden nun wöchentlich statt 14-tägig getauscht.