Erster grün-schwarzer Streit - ums Gender-Sternchen

Stuttgart  Grün und Schwarz haben ihren ersten Knatsch. Es geht um das sogenannte Gender-Sternchen - ein schriftliches Hilfsmittel, um die verschiedenen Geschlechter gleichberechtigt anzusprechen.

Von Michael Schwarz
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Ein Tweet der baden-württembergischen Landesregierung mit dem geschlechtsneutral formulierten Wort «Bürger*innen» sorgt für Diskussion. Foto: dpa

Es ist eine Formulierung, die auf Twitter am Rande der Landtagssitzung am Mittwoch für Aufregung sorgte. Auf dem Account der Landesregierung erschien eine Nachricht, in der der grün-schwarze Koalitionsvertrag als Ergebnis „intensiver Verhandlungen guter Demokrat*innen“ bezeichnet wurde. Mit dem Stern wollte die Social-Media-Redaktion im grün geführten Staatsministerium alle Geschlechter und Identitäten berücksichtigen.

„Lassen Sie bitte diese grüne Gender-Schreibweise in Landesregierungs-Tweets bleiben“, twitterte darauf hin der Ludwigsburger CDU-Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger. Das Staatsministerium legte nach und schrieb im nächsten Tweet von „Bürger*innen“. Jetzt kam der CDU-Landesverband ins Spiel. „Wir können die Bitte von Steffen Bilger nur wiederholen! Lassen Sie bitte die Gender-Schreibweise in Landesregierungs-Tweets!“ Und schon war sie da, die erste Twitter-Krise der neuen grün-schwarze Landesregierung.

Doch auch am Tag danach war die Debatte noch nicht vorbei. „Dieser Gender-Wahnsinn nervt die Menschen langsam nur noch. In Deutschland leben wir die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann jeden Tag. Da brauchen wir keine Sternchenschreibweise“, erklärte Nikolas Löbel, Vorsitzender der Jungen Union im Land, gegenüber der „Heilbronner Stimme“. Löbel bot dem neuen Koalitionspartner zudem gleich Hilfe an: „Die Grünen werden das auch noch lernen. Dabei sind wir als CDU gerne behilflich.“

Der Landesvorsitzende der Grünen, Oliver Hildenbrand, wollte das so nicht stehen lassen. „Auch wenn manch einer offenbar so seine Problemchen damit hat: Das Sternchen soll Bewusstsein schaffen und ist kein Grund für Nervenflattern“, sagte Hildenbrand auf Anfrage. „Für uns Grüne ist eine geschlechtergerechte Sprache wichtig“. Es sei ein Ausdruck von Wertschätzung, wenn eine Regierung alle Menschen ansprechen möchte. Hildenbrand: „Die Achtung und Teilhabe aller Menschen, ungeachtet ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität, ist als Ziel im grün-schwarzen Koalitionsvertrag verankert.“

 

 

 

 


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