Einschulung wird schrittweise verschoben

Stuttgart/Bretzfeld  Der Stichtag für die Einschulung wird stufenweise vom 30. September auf den 30. Juni verlegt. Ohne die Stufen würden im Land Betreuungsplätze für bis zu 20.000 Kinder fehlen. Eltern, die eine Früheinschulung ihrer Kinder verhindern wollten, sind von der Lösung enttäuscht.

Von Peter Reinhardt
Email
Würden Kinder später eingeschult, müssten entsprechend mehr Kinder länger in den Kitas betreut werden. Das hatte das Land nicht bedacht. Foto: dpa

Der Stichtag für die Einschulung der Erstklässler in Baden-Württemberg wird in Stufen vom 30. September auf den 30. Juni vorverlegt. "Wir halten eine zeitlich gestaffelte Stichtagslösung für sinnvoll", teilte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Mittwoch mit. Für den Städtetag begrüßte Vorstandsmitglied Gudrun Heute-Bluhm den Kompromiss: "Die drei Stufen sind eine gute Idee." Vor dem Treffen hatten die Kommunalverbände gewarnt, bei der Verschiebung auf einen Schlag "könnte sich kurzfristig ein zusätzlicher Platzbedarf für bis zu 20.000 Kinder in den Betreuungseinrichtungen ergeben".

Schon im Juli hatte der Bildungsausschuss des Landtags mit breiter Mehrheit von Grünen, CDU, SPD und FDP die Rückkehr auf die bis 2007 geltende Altersgrenze für die Einschulung beschlossen. Damit wurde das Anliegen einer Elterninitiative, die unter anderem von der Bretzfelderin Katrin Göltenboth initiiert wurde, aufgenommen, die in einer Online-Petition 21.500 Unterschriften gegen die "Früheinschulung" mit nur knapp sechs Jahren gesammelt hatte.

Wie viele Kinder sind betroffen?

Eisenmann hatte sich im Sommer an die Spitze der Bewegung gesetzt und für die Rückkehr plädiert. Heute-Bluhm kritisierte, dass die Landespolitik die Kommunen nicht einbezogen hatte: "Die Ausgangsbasis war etwas unglücklich." Das Land hatte nicht bedacht, dass bei einer späteren Einschulung entsprechend mehr Kinder länger in den Kitas betreut werden müssen. Nun sagt die CDU-Ministerin: "Wir wollen diese Änderung lieber gut umsetzen als so schnell wie möglich."

"Wir rechnen mit einer hohen Nachfrage", sagte Heute-Bluhm im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie beharrte auf der Annahme, dass es "20.000 potenziell betroffene Vorschulkinder sind". Eisenmann geht von anderen Annahmen aus. Momentan würden im Südwesten 26.000 Kinder zwischen dem 1. Juli und dem 30. September geboren. Davon seien im Schuljahr 2018/19 rund 6100 Kinder zurückgestellt worden. Die Zahlen der Kommunen würden bedeuten, dass alle später eingeschult werde.

Die Erfahrungen anderer Länder würden zeigen, dass der Anteil der später eingeschulten "Korridorkinder" geringer sei. Die neue Regelung sieht vor, dass Eltern weiterhin zwischen Juli und September geborene Kinder für die Grundschule anmelden können. Substanziell ändere sich durch die Reform also nichts. Ohne Zutun der Eltern ordnen die Schulämter die Kinder in diesem Korridor allerdings dem folgenden Schuljahr zu. Positiv bewertete Heilbronns Bürgermeisterin Agnes Christner den Kompromiss. "Alles, was die Umsetzung erleichtert ist positiv." Aber das Problem der fehlenden Betreuungsplätze bleibe aber bestehen.


Eltern sind enttäuscht

Als "faulen Kompromiss" kritisiert Katrin Göltenboth die stufenweise Verschiebung des Einschulungstermins. Die Mutter aus Bretzfeld war eine der Initiatorinnen der Online-Petition "Stoppt die Früheinschulung in Baden-Württemberg". In einem offenen Brief an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) verweist die Elterninitiative auf die bundesweiten 24.000 Unterstützer und schreibt: "Wir sind enttäuscht." Ein Kompromiss, der die Eltern als Hauptbetroffene außen vor lässt, sei kein Kompromiss.


Kommentar hinzufügen