Drexler: Toter Aussteiger aus rechter Szene war kein Aufschneider

Stuttgart (dpa/lsw)  Die Polizei hat bei ihren Ermittlungen zum Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter zu Unrecht den Informationen eines Aussteigers aus der rechten Szene keine Bedeutung beigemessen.

Wolfgang Drexler (SPD)
Ausschussvorsitzender Wolfgang Drexler (SPD). Foto: Patrick Seeger/Archiv

Neueste Erkenntnisse aus dem NSU-Untersuchungsausschuss rückten Florian H. in ein Licht, «dass er mehr Wahrheiten gesagt hat als nur Blendwerk», sagte Ausschussvorsitzender Wolfgang Drexler (SPD) am Samstag in Singen (Kreis Konstanz) der Deutschen Presse-Agentur. Das Gremium prüft die Aktivitäten des «Nationalsozialistischen Untergrundes» (NSU) im Südwesten, der laut Polizei auch für den Mord an Kiesewetter verantwortlich sein soll.

Dabei geht es konkret um einen Mann mit Spitznamen «Matze», mit dem Florian H. nach eigenen Angaben in der rechtsextremen Szene unterwegs gewesen ist. Florian soll zu früheren Mitschülerinnen im August 2011 gesagt haben, er könne Kiesewetters Mörder benennen. Er sprach zudem von einem rechtsextremen Treffen im Februar 2010 in Öhringen östlich von Heilbronn, wo der NSU und eine «Neoschutzstaffel» (NSS) vorgestellt worden seien. «Florian H. hat mit seiner Aussage bisher Recht gehabt», betonte Drexler.

Der 21-Jährige Florian S. verbrannte in seinem Wagen in Stuttgart. Am Tag seines Todes hätte der Aussteiger aus der rechten Szene von Ermittlern befragt werden sollen. Er soll bereits früher Aussagen zum (NSU) und dem Mord an Kiesewetter im Jahr 2007 in Heilbronn gemacht haben. Die Identifizierung von «Matze» ist auch deshalb wichtig, weil die Ermittler Florian als wenig glaubwürdig eingestuft haben. Die Ermittlungsbehörden gehen von einem Suizid aus, die Familie widerspricht dieser Aussage.


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