Die Schattenseiten von Indiens Metropole

Mumbai  Leben am Rande der Gesellschaft: Gerlinde Kretschmann widmet sich im Rahmen der Delegationsreise nach Indien den Armen.

Von Michael Schwarz
Email
Gerlinde Kretschmann besucht eine Organisation, die sich um ehemalige Zwangsprostituierte kümmert. Foto: Michael Schwarz

Aufstrebende Wirtschaft, hohe Wachstumsraten, Prognosen, die im Jahr 2050 eine Einwohnerzahl von rund 1,7 Milliarden voraussehen: Nach der Hälfte der einwöchigen Delegationsreise mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist jedem der rund 120 Teilnehmer klar, welche ökonomische Bedeutung Indien in Zukunft zukommen wird.

Doch zur Wahrheit gehört auch, dass es noch erhebliche Probleme gibt. Neben der hohen Luftverschmutzung und einem nicht funktionierenden Wasser- und Abwassersektor besteht in der Gesellschaft eine große soziale Ungleichheit. Das wird auch beim Aufenthalt in Mumbai deutlich - der mit offiziell mehr als zwölf Millionen Einwohnern größten Stadt Indiens. Insgesamt leben in der von Smog geplagten Metropolregion mehr 18 Millionen Menschen.

Gerline Kretschmann nimmt eigene Termine wahr

Die Schattenseiten von Indiens Metropole

Termine, bei denen es um die Armut in Indien geht, nimmt bei der Reise vor allem Kretschmanns Frau Gerlinde wahr. Ortsbesuch in Dharavi im Westen Mumbais. Das mehr als zwei Quadratkilometer große Gebiet gilt als der größte Slum Asiens. Mindestens eine Million Menschen leben hier, erzählt der indische Reiseführer.

Die Gassen sind eng, mal riecht es nach Essen, mal nach Urin. Bei sonnigen 30 Grad wird überall Wäsche getrocknet. Gerlinde Kretschmann und die Reisegruppe laufen durch das Viertel. Die Menschen starren die Besucher aus dem fernen Deutschland an, fast an jeder Ecke liegen Straßenköter. Die Hauswände sind dreckig, überall stapelt sich der Müll.

Projekt nimmt Straßenkinder auf

Da der indische Nationalfeiertag ist, hängen die Bewohner an vielen Stellen safranfarbene, weiße und grüne Fähnchen auf. Es sind die Farben der indischen Nationalflagge. Überall gibt es kleine Läden. Verkauft werden dort elektronische Geräte, genauso wie Lebensmittel. "Ich finde es bewundernswert, dass es so viele Geschäfte gibt", sagt Gerlinde Kretschmann. Die Menschen versuchten, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Nur wenige Autominuten entfernt befindet sich eine der bekannten Don-Bosco-Einrichtungen. Seit 1987 läuft das Programm in Indien.

Hier werden Straßenkinder aufgenommen, betreut, verpflegt, unterrichtet und medizinisch versorgt. 16 Don-Bosco-Center gibt es in Mumbai mit rund 1000 Kindern und Jugendlichen. Sie alle sollen in der katholisch geprägten Einrichtung unterstützt werden.

Fairer Handel, faire Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung

Gerline Kretschmann in Indien. Foto: Michael Schwarz

Hilfe benötigen auch die 23 Frauen, die bei der Non-Profit-Organisation Chaiim Foundation arbeiten. Die 18 bis 25-jährigen Inderinnen waren früher Zwangsprostituierte - und sollen nach den traumatischen Erlebnissen wieder ein normales Leben beginnen. Sie bekommen Schulunterricht und werden zu Näherinnen ausgebildet. Produziert werden Hosen, Röcke, Kleider, Blusen und kleine Taschen. Interessant für die Delegation ist das Projekt auch deshalb, weil das Stuttgarter Start-Up-Unternehmen Glimpse Clothing die Mode online vertreibt.

Fairer Handel, faire Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung - so lautet das Motto. Gerlinde Kretschmann kauft sich eine schwarze Bluse. Was die Frauen hier umsetzen, gefällt ihr sehr gut. "Mich hat vor allem der Optimismus der Mädchen beeindruckt", sagt sie.

 


Kommentar hinzufügen
In diesem Artikel findet keine Diskussion statt. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen.