Der Vordenker und Sozialdemokrat Erhard Eppler ist tot

Schwäbisch Hall  Das Prädikat Vordenker hat Erhard Eppler sein Leben lang begleitet - genauso wie die Achtung vieler Menschen weit über seine Heimatstadt Schwäbisch Hall hinaus. Was ihn in seinem langen politischen Wirken auszeichnete, war seine Glaubwürdigkeit.

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Erhard Eppler, ehemaliger SPD-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg. Foto: dpa

Bis zuletzt wurde er gehört – in und außerhalb seiner Partei. Noch mit über 90 Jahren gab er Interviews zur aktuellen politischen Situation und schrieb an seinem Buch „Elend und Würde der Politik“.  Nun ist Erhard Eppler am Samstag im Alter von 92 Jahren gestorben.

Geboren wurde Erhard Eppler 1926 in Ulm. Schon in seiner frühen Kindheit kam er nach Schwäbisch Hall, wo sein Vater, Richard Eppler, Leiter der Mergenthaler-Oberschule - dem Vorläufer des Gymnasiums St. Michael - wurde. Seine Mutter Hildegard wurde zur ersten weiblichen Stadträtin in der Salzsiederstadt gewählt. Bis zuletzt wohnte der leidenschaftliche Gärtner mit seiner Frau in einem Haus auf dem Friedensberg – einer der schönsten Wohngegenden auf einer Anhöhe über der Salzsiederstadt. Als das schönstes Geschenk im Alter bezeichnete der Ehrenbürger der Stadt Schwäbisch Hall seine sieben Urenkel. Wer die Ehre hatte, in seiner eher bescheiden eingerichteten Wohnung empfangen zu werden und bei einer Tasse Grünem Tee mit dem Polit-Urgestein zu reden, blieb tief beeindruckt zurück. „Wir haben damals in der Partei und im Kabinett um den besten Weg gerungen und nach außen den Mund gehalten, bis eine Entscheidung gefallen war“, hat er mir bei einem Besuch gesagt. Das sei einer der großen Unterschiede zu den heutigen Zeiten. Von der alltäglichen Geschwätzigkeit im modernen Politikbetrieb hielt sich Erhard Eppler ohnehin Zeit seines Lebens fern.

Konsequent die Inhalte vor die Person gestellt

Doch seine Stimme hat der gläubige Protestant, der von 1968 bis 1974 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit zunächst im Kabinett von Kurt Georg Kiesinger, später in der Regierung von Bundeskanzler Willi Brandt war, immer erhoben. Wenn er es für notwendig hielt. So prägte der gelernte Gymnasiallehrer für Englisch, Deutsch und Geschichte Ende der 1960er und 1970er Jahre die deutsche Friedens- und Anti-Atomkraft-Bewegung und lenkte den Blick auch immer wieder auf die Probleme der Dritten Welt. Wie konsequent Erhard Eppler in der Politik die Inhalte vor die Person stellte, zeigt sein Rücktritt als Bundesminister 1974, als das von Helmut Schmidt geführte Kabinett seinen Etat für wirtschaftliche Zusammenarbeit erheblich beschnitt.

Auch nach seinem Ministeramt blieb Eppler der Politik leidenschaftlich verbunden. Ab 1972 mit einem Bundestags-Direktmandat im Wahlkreis Heilbronn ausgestattet, übernahm er von 1973 bis 1981 den Landesvorsitz der SPD in Baden-Württemberg. Als Spitzenkandidat seiner Partei für das Amt des Ministerpräsidenten blieb er allerdings sowohl gegen Hans Filbinger (1976) als auch gegen Lothar Späth (1980)chancenlos. Seine Partei prägte er aber weiter, in der Grundwertekommission der SPD, die Eppler von 1975 bis 1991 leitete und als Gast und Ideengeber auf vielen Bundesparteitagen für insgesamt mehr als sechs Jahrzehnte. Auch deshalb wird Erhard Eppler fehlen – seiner Partei der SPD, wie der deutschen Politik. Umso mehr, weil Politiker wie er im 21. Jahrhundert nicht mehr geboren werden.


Thomas Zimmermann

Thomas Zimmermann

Autor

Thomas Zimmermann ist seit Dezember 2020 in der Stadtredaktion der Heilbronner Stimme. Zuvor arbeitete der ehemalige Radioreporter und Magazinmacher ab Februar 2015 in der Hohenloher Zeitung und berichtete vor allem über Künzelsau und Umgebung. In der Stadtredaktion berichtet Zimmermann vor allem über Handel, Gastronomie, Stadtpolitik und Gerichtsverhandlungen.

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