Das Hantavirus tritt in diesem Frühjahr im Südwesten besonders häufig auf

Medizin  Wie gefährlich ist das Hantavirus und wie kann man sich schützen? Fragen und Antworten zum Thema.

Von Valerie Blass

Hantavirus
Eine Elektronenmikroskopische Aufnahme von Hantaviren (Puumalaviren).

Deutlich mehr Hantavirusfälle als 2018 sind in diesem Frühjahr im Land registriert worden − bislang über 200. Das hat sogar den grünen Gesundheitsminister auf den Plan gerufen: Manne Lucha rät, zum Schutz eine Staubmaske zu tragen, wenn man in Garten, Garage oder Keller Ordnung macht. Wie gefährlich ist das Hantavirus und woher kommt es überhaupt? Fragen und Antworten:

 

Was sind Hantaviren?

Das sind Erreger, die über Nagetiere wie Mäuse und Ratten auf den Menschen übertragen werden. Verschiedene Nagetierarten verbreiten unterschiedliche Virustypen, meist ohne selbst zu erkranken.

 

Warum ist die Zahl der Fälle in diesem Jahr gestiegen?

Die Zahl der bundesweit registrierten Erkrankungen variiert von Jahr zu Jahr. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) hängt die Häufigkeit der Erkrankung mit der Populationsgröße bestimmter Nagetiere − insbesondere der Rötelmaus − und deren Durchseuchung mit dem Virus zusammen. Forscher gehen davon aus, dass das Nahrungsangebot für die Überträger in diesem Frühjahr üppig ist. Dadurch vermehren sich die Nager stark.

 

Wo ist das Risiko einer Ansteckung besonders hoch?

Generell gilt: In ländlichen Gebieten ist die Gefahr einer Ansteckung höher als in den meisten städtischen Regionen. Gleiches trifft für den Süden und Westen der Bundesrepublik zu. Dort ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken höher als in den übrigen Landesteilen. Der Odenwald etwa gilt als Risikogebiet.

 

Wie ist die Lage regional?

Jürgen Dieter Furkert, Chefarzt Innere Medizin am SLK-Klinikum am Plattenwald in Bad Friedrichshall, sagt, er könne bislang keine Zunahme von Fällen feststellen. "Die Zahl an Betroffenen bewegt sich bei uns jedes Jahr im einstelligen Bereich."

 

Wie gefährlich ist das Hantavirus?

Je nach Virustyp verläuft die Infektion unterschiedlich schwer: Manchmal unbemerkt ohne Beschwerden, manchmal geht sie auch mit grippeähnlichen Symptomen einher, wie Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit, Durchfall, Erbrechen. Zusätzlich können laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Rachenrötung, Husten oder Sehstörungen sowie eine Lichtempfindlichkeit der Augen auftreten. In seltenen Fällen kann es auch zu vorübergehenden Einschränkungen der Nierenfunktion kommen. "Es ist aber eine Minderheit, die eine Dialyse braucht", sagt Furkert. Die gute Nachricht: Die in Deutschland beobachtete Krankheitsform heilt zumeist folgenlos ab.

 

Wie sieht es mit Spätfolgen aus?

Auch hier gibt Furkert Entwarnung. Selbst bei Patienten, bei denen die Nieren zeitweilig stark beeinträchtigt seien und die deshalb eine Dialyse bräuchten, bestehe kein erhöhtes Risiko, dass sich später eine Nierenkrankheit entwickelt.

 

Ist das Virus ansteckend?

Nein. Erkrankte sind nicht ansteckend. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei den in Deutschland verbreiteten Virustypen nicht zu erwarten.

 

Wer ist besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind Menschen in den Risikogebieten, die viel in der Natur arbeiten − also zum Beispiel Forstarbeiter und Landwirte. Auch bei Freizeitaktivitäten im Freien kann man sich das Virus einfangen − etwa bei der Gartenarbeit oder der Reinigung von Schuppen, Ställen oder Häusern, in denen Mäuse oder Ratten vorkommen, insbesondere wenn bei der Arbeit Staub aufgewirbelt wird. Dasselbe gilt für Joggen oder Zelten im Freien.

 

Wie kann man sich schützen?

Gesundheitsminister Luchas Tipp: Eine Staubschutzmaske aus dem Baumarkt kann helfen, eine Infektion zu vermeiden. Außerdem sollte man sich nach dem Aufenthalt im Freien oder in Kellern, Schuppen oder auf Dachböden sorgfältig die Hände waschen. Wer Mäusekot − zum Beispiel in seiner Gartenhütte − beseitigen will, kann die Oberfläche vorher nass machen. Das verhindert, dass Staub aufgewirbelt wird und Partikel über die Atemluft aufgenommen werden. Wenn Kot oder Tierkadaver entsorgt werden, sollte das in einer Plastiktüte geschehen, die verschlossen wird.

 

Was ist beim Verdacht auf eine Erkrankung zu beachten?

Betroffene sollten bei Verdacht auf eine Erkrankung mit Hantaviren zum Arzt gehen. Behandelt werden meist ausschließlich die Beschwerden − etwa Schmerzen, Fieber oder, bei schweren Verläufen, das Nierenversagen. Erkrankte müssen jedoch nicht isoliert werden, denn sie sind nicht ansteckend.

 


Weitere Infos

Mehr Infos zum Hantavirus gibt es im Internet bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter www.infektionsschutz.de oder beim Robert-Koch-Institut unter www.rki.de


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