Charlotte Knobloch wirft AfD-Politiker „völkische Hetze“ vor

Heilbronn/Dresden  Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke hat mit massiver Kritik am Holocaust-Gedenken der Deutschen Empörung ausgelöst.

Von Hans-Jürgen Deglow

Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke hat mit massiver Kritik am Holocaust-Gedenken der Deutschen Empörung ausgelöst. Foto: dpa

Offensichtlich mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin sagte Höcke auf einer Veranstaltung der Jungen Alternative am Dienstagabend in Dresden: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Zudem verglich der AfD-Mann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem ehemaligen DDR-Staatschef Erich Honecker.

Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, reagierte empört auf die Äußerungen Höckes. Der Heilbronner Stimme sagte sie: „Diese völkische Hetze ist unerträglich. Mit diesen rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Thesen und Tiraden vergiftet die AfD die politische Kultur und die gesellschaftliche Debatte in Deutschland.“

Die etablierten Parteien hätten noch kein Mittel gefunden, „um Menschen, die für solche Thesen anfällig sind, wieder für freiheitlich-demokratische Überzeugungen zu gewinnen. Das macht mir mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen große Sorgen. Es droht eine Rolle rückwärts, eine braune Renaissance ungeahnten Ausmaßes“.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern fügte hinzu: „Herr Höcke betreibt Geschichtsklitterei und nährt übelste antisemitische Stereotype. Am 27. Januar ist der internationale Holocaustgedenktag. Es wird immer wichtiger, sich mit den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte zu befassen und mit der Erkenntnis, wie schnell und unaufhaltsam die Decke der Zivilisation in Stücke gerissen werden kann. Freiheit und Demokratie sind verletzlicher, als viele denken. Das sage ich auch mit Blick auf das gestrige NPD-Urteil.“  Knobloch: „Die AfD ist die NPD light und Herr Höcke verkörpert diese Ideologie. Der von ihm propagierte Volksbegriff zielt auf Ausgrenzung, Ächtung und Entrechtung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen.“

Thorsten Schäfer-Gümbel: "Höcke kopiert Sprache von Reichsparteitagsreden"

Thorsten Schäfer-Gümbel, stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender, sagte der Heilbronner Stimme:  „Björn Höcke kopiert Sprache und Gestus von Reichsparteitagsreden der NSDAP und rührt am Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland. Höcke lehnt alles ab, was Deutschland stark macht. Dieser Mann darf nie mehr als Geschichtslehrer und Beamter arbeiten."

Empört zeigte sich auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Er sagte der Deutschen Presse-Agentur:  „Dass Höcke am Tag des NPD-Verbotsverfahrens das Holocaust-Mahnmal mit dem Wort Schande und nicht den Holocaust als Schande bezeichnet, macht deutlich, in welcher geistigen Haltung Höcke agiert. Er habe schon lange darauf hingewiesen, dass Höcke die NS-Sprache benutze, sagte Ramelow. Bezeichnend sei auch, dass Höcke am Tag des NPD-Verbotsverfahrens versuche, die Achse des demokratischen Spektrums weiter nach rechts außen zu verschieben. Auch das politische Feld der AfD verschiebe sich dadurch deutlich nach rechts.