CDU kritisiert Landärzte-Konzept

Stuttgart  CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart fordert eine Landarztquote und lehnt den Entwurf von Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zum Ausbau des Medizinstudiums ab. Einigkeit herrscht nur darin, die Zahl der Studienplätze um 150 zu erhöhen.

Von Michael Schwarz

Die umfassende medizinische Versorgung der Bevölkerung auf dem flachen Land ist ernsthaft bedroht. Landärzte werden dringend gesucht. Foto: dpa

Im Ziel sind sie sich einig, im Weg dahin nicht. Grüne und CDU wollen in Baden-Württemberg gegen den Landärztemangel vorgehen. Die grün-schwarze Koalition plant daher, an den fünf bestehenden medizinischen Fakultäten in Heidelberg, Freiburg, Tübingen, Ulm und Mannheim 150 zusätzliche Medizinstudienplätze zu schaffen. Dazu hat Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) auch schon eine Kabinettsvorlage fertig, die der "Heilbronner Stimme" vorliegt.

Grüne: Verabschiebung im Sommer

Auf grüner Regierungsseite geht man davon aus, dass das Konzept über den Sommer per Umlaufbeschluss verabschiedet werden kann. Die CDU-Landtagsfraktion will jedoch nicht zustimmen. Es droht ein weiterer Streit in der Koalition.

Jede Fakultät erhölt 30 Plätze

Bauer schreibt in der Kabinettsvorlage, dass im Südwesten die Zahl der Erstsemester in Humanmedizin um zehn Prozent - das macht rund 150 Studienplätze - erhöht werden soll. Für jede medizinische Fakultät sind 30 Anfängerplätze eingeplant, beginnen soll der Ausbau im Sommersemester 2020. Damit wurden auch die Pläne in Stuttgart zerschlagen, dort eine Uniklinik einzurichten und ein Humanmedizin-Studium anzubieten. Mit dem Vorhaben will Bauer vor allem Medizinstudenten dazu bringen, sich später in ländlichen Regionen als Arzt niederzulassen.

Bauer will Neigungsprofil

CDU kritisiert Landärzte-Konzept

Ministerin Theresia Bauer (Grüne) will mehr Mediziner auf dem Land.

Foto: dpa

"Der Versorgung im ländlichen Raum gilt hier ein besonderes Augenmerk", erklärt die Grünen-Politikerin in der Kabinettsvorlage. Zentraler Bestandteil des Konzepts der Grünen-Politiker ist, dass die medizinischen Fakultäten ein Neigungsprofil ,Ländliche Hausarztmedizin" einführen, das allen Studenten offensteht. Dieses motiviere für eine Tätigkeit im ländlichen Raum, schreibt Bauer.

Weiter sollen die fünf Fakultäten mehr Verantwortung für die medizinische Ausbildung in ihren Regionen übernehmen und Statistiken führen, "die auch Aussagen darüber erlauben, wie viele ihrer Absolventinnen und Absolventen eine Tätigkeit in ländlichen Regionen Baden-Württembergs aufnehmen", so Bauer.

Reinhart fordert klare Vorgaben

CDU-Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart erklärt auf Anfrage, dass er Bauers Konzept ablehne. "Das jetzt vorgeschlagene Curriculum ,Ländliche Hausarztmedizin", das lediglich ergänzend belegt werden kann, reicht nicht aus. Es entspricht nicht dem, was wir wollen. Wir wollen ein leistungsfähiges Element, um Ärzte in die Fläche zu bringen", sagt er.

210.000 Euro pro Studienplatz

Wegen des sich abzeichnenden Ärztemangels auf dem Land seien flankierende Maßnahmen nötig, die verbindlich zusicherten, dass die zusätzlichen Studienplätze dem ländlichen Raum zu Gute kommen, so Reinhart. Dies sei auch die Voraussetzung für die Finanzierung im Landeshaushalt - pro Studienanfängerplatz rechnet Bauer mit Kosten von 210 000 Euro zusätzlich.

Reinhart will seine Zustimmung an klare Vorgaben knüpfen. "Wir brauchen eine Landarztquote von zehn Prozent bei der Medizinstudienplatzvergabe, um einen Anreiz dafür zu setzen, dass sich angehende Ärzte auch tatsächlich im ländlichen Raum niederlassen", erklärt er. Eine solche Verpflichtung sei jungen Menschen zumutbar.

Vorbild Modell in NRW

Reinhart kann sich im Südwesten ein ähnliches Modell wie in Nordrhein-Westfalen vorstellen. Dort gibt es eine Quote - allerdings nur mit 7,6 Prozent. Wer sich bei einer Vorauswahl auf einen Quotenplatz einlässt, muss vor der Studienaufnahme eine Verpflichtungserklärung unterzeichnen, später mindestens zehn Jahre als Landarzt in einer unterversorgten Region zu praktizieren. Wird dagegen verstoßen, drohen Strafzahlungen in Höhe von 250 000 Euro.

 

 

 

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