Brockmann hält mehr Corona-Tests für sinnvoll

Stuttgart  Der Corona-Experte im Landesgesundheitsamt, Stefan Brockmann, unterstützt die Ausweitung von Tests auf das Coronavirus. In der vergangenen Woche wurden in Baden-Württemberg rund 35.000 Tests durchgeführt.

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In Baden-Württemberg wurden in der vergangenen Woche rund 35.000 Personen auf das Coronavirus getestet. Foto: dpa

Stefan Brockmann, Leiter des Kompetenzzentrums Gesundheitsschutz und Corona-Experte im Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, hält eine Ausweitung der Coronavirus-Tests für sinnvoll. "Es ist bei der Bekämpfung des Coronavirus natürlich immer gut, die Zahl der Tests zu erhöhen", sagte Brockmann im Gespräch mit der Heilbronner Stimme.

Langes Warten auf Ergebnisse

Laut Brockmann wurden in der vergangenen Woche im Südwesten "etwa 35.000 Personen" auf das Coronavirus getestet. Allerdings dauere es zu lange, bis die Ergebnisse vorliegen würden. "Wir haben eine limitierte Testkapazität. Es besteht ein großer Bedarf an Testkits", so Brockmann. Zudem gehe mit jeder einzelnen Probe ein Verwaltungsaufwand einher. Dies würde den Zeitraum verzögern, bis ein Ergebnis vorliege. "Ein gut ausgestattetes Labor kann innerhalb von fünf Stunden testen, ob jemand positiv ist", so Brockmann. Deswegen sei er auch bei der Debatte um Schnelltests eher zurückhaltend.

In Baden-Württemberg können Proben für Tests in Krankenhäusern, bei niedergelassenen Ärzten, in Corona-Testzentren oder auch in sogenannten Drive-In-Teststationen entnommen werden. Allerdings seien derzeit nur sieben Prozent der getesteten Personen positiv. Viele würden sich vorsorglich überprüfen lassen, was zwangsläufig zu Kapazitätsproblemen führen würde, sagte Brockmann.

Zuerst die Risikogruppen testen

"Wir müssen so viel wie möglich testen - jedoch erst die, die das höchste Risiko haben", erklärte Brockmann - und meint damit ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Wichtig sei zudem, dass alle Mitarbeiter, die mit Risikogruppen zu tun haben, im Besitz einer Schutzausstattung seien. "Mitarbeiter in Krankenhäusern, in Alten- und Pflegeheime sollten soweit verfügbar alle einen Mund- und Nasenschutz tragen", sagte er. Nur so könne das Risiko minimiert werden, dass infizierte Mitarbeiter andere Personen ansteckten.

Die Vorschläge zur Handy-Ortung, mit der Kontakte Infizierter identifiziert werden sollen, lehnt Brockmann ab: "Das halte ich datenschutzrechtlich für sehr schwierig."

 


Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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