Bündnis demonstriert erneut gegen Bildungsplan

Stuttgart (dpa/lsw)  Unter dem Motto «Ehe und Familie vor» hat ein Veranstaltungsbündnis am Samstag erneut gegen den Bildungsplan des Kultusministeriums demonstriert. An dem Protest gegen das Vorhaben, darin die Akzeptanz von - auch sexueller - Vielfalt festzuschreiben,

beteiligten sich nach Angaben der Polizei rund 700 Menschen. Vor der Veranstaltung habe es Rangeleien gegeben, sagte ein Sprecher. Etwa 70 Personen hätten versucht, die Versammlung zu stören, sie seien vorläufig in Gewahrsam genommen worden. Ein Mensch sei durch einen Böller leicht verletzt worden.

Es ist bereits der vierte Aufmarsch gegen den Bildungsplan, der 2016 an den Schulen im Land eingeführt werden soll. Ziel des Verbandes «Demo für alle» mit 17 Untergruppen ist es, den Fokus in der Schule auf die Familie zu lenken und die Sexual- und Werteerziehung den Eltern zu überlassen. «Dieses Elternrecht darf nicht ausgehebelt werden», sagte die Koordinatorin des Verbands, Kerstin Kramer.

Die Grüne Jugend Baden-Württemberg und das «Netzwerk gegen Rechts Stuttgart» wollten ebenfalls auf die Straße gehen, um gegen «rechte Hetze und fanatische Stimmungsmache» Flagge zu zeigen. Zuletzt hatten rund 1000 Bildungsplangegner Anfang April gegen die Aufwertung des Themas sexuelle Vielfalt im Unterricht demonstriert.

Die Grüne Jugend erinnerte daran, dass am 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street Proteste begannen, die als Ausgangspunkt der heutigen Schwulen-, Lesben- und Transsexuellenbewegung gelten.

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) hatte nach Kritik die bisherigen Leitprinzipien in Leitperspektiven umbenannt. Den Gedanken der Toleranz gegenüber Menschen mit verschiedenen sexuellen Neigungen hatte er in einen neuen Grundsatz «Akzeptanz von Vielfalt» - darunter auch ethnische, religiöse oder kulturelle - eingebettet. «Demo für alle» schloss sich der Forderung der CDU im Landtag an, die Leitperspektiven komplett zu streichen. Die Proteste würden fortgesetzt, wenn Stoch an den Plänen festhalte, kündigte Kramer an.