B27-Tunnel hat in Ludwigsburg keine Top-Priorität mehr

Ludwigsburg  Der B 27-Tunnel ist Ludwigsburgs Sehnsuchtsprojekt: Er könnte die Schneise beseitigen, die das Zentrum in zwei Teile zerreißt. Die Stadt hält an der Vision fest, sie hat aber keine Top-Priorität mehr. Eine mögliche Landesgartenschau 2034 soll auch ohne Tunnel funktionieren.

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Der Tunnel bleibt im Blick, dem Tunnelblick wird aber nicht mehr alles untergeordnet. So könnte man die Marschroute der Stadt unter dem neuen OB Matthias Knecht umschreiben. Der hatte nach seiner Wahl im Gespräch mit unserer Redaktion die unterirdische Bundesstraße befürwortet. "Die B27 zerschneidet die Stadt in zwei Teile", sagte Knecht, schränkte aber ein, eine Lösung müsse "finanziell zu verantworten" sein. Rund 150 Millionen Euro würde es wohl kosten, die Schneise zwischen der Innenstadt und dem Blühenden Barock mit dem berühmten Schloss zu schließen.

Restriktiver Kurs bei den Stadtfinanzen

In den laufenden Haushaltsberatungen fährt die Stadt einen restriktiven Kurs, stellt Projekte auf den Prüfstand - und den Tunnel wohl hintenan. "Das Ziel ist, möglichst wenig Schulden aufzunehmen", umreißt Michael Ilk die Anforderungen. "Wir wollen den Tunnel haben", betont der Baubürgermeister zwar. Die Stadt verfolgt aber nicht mehr den Plan, eine Landesgartenschau zum Vehikel der Tunnelträume zu machen. Ludwigsburg hatte sich für das Großereignis im Zeitraum 2026 bis 2030 beworben, den B27-Umbau prominent ins Dossier gepackt und war gescheitert.

Nun bereitet die Barockstadt eine erneute Bewerbung vor, 2034 steht dabei im Fokus. Das leidige Bundesstraßenthema ist kein zwingender Bestandteil mehr, eher ein "additives Element", wie es zuletzt hieß. Zentral sind die Ideen eines Grünen Rings, der Parks und Grünflächen verbindet, aber auch im großen Stil neue schafft. Ludwigsburg, wo nach dem jüngsten Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Diesel-Fahrverbote drohen, will sich als grüne, nachhaltige und klimafreundliche Stadt positionieren.

Gartenschau 2034 soll auch ohne Tunnel funktionieren

Keinesfalls soll die Gartenschaubewerbung als Feigenblatt für die Tunnelpläne daherkommen, unterstreicht Michael Ilk. Der Bürgermeister will aber weiter alle möglichen Fördertöpfe abklappern, um doch noch den großen Wurf zu landen. Beim Land hat sich die Stadt erstmal eine Abfuhr abgeholt. Das Regierungspräsidium kam zu dem Schluss, der Nutzen eines B27-Tunnel sei "vor allem städtebaulicher Art". Mit anderen Worten: optisch schön, aber verkehrlich verzichtbar. Schließlich funktioniert die B27, über die täglich bis zu 70.000 Autos durch die Stadt rollen, als Verkehrsachse ziemlich gut. Das RP schließt aber auch nicht aus, dass es zu einer neuen Bewertung kommt, sobald detaillierte Pläne vorliegen.

Bürgermeister Michael Ilk richtet den Blick eher nach Berlin. Der Bund will das Gesetz zur Gemeindeverkehrsfinanzierung novellieren und mehr Geld bereitstellen. Das gilt zwar vor allem für Nahverkehrsprojekte. In Ludwigsburg hegt man trotzdem die Hoffnung, dass das die B27-Pläne befördern könnte. Da kann es nicht schaden, dass mit Steffen Bilger (CDU) der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium aus der Barockstadt stammt.

"Als Ludwigsburger teile ich den Wunsch der Stadt, die Trennung zwischen Innenstadt und Schloss durch die B27 aufzuheben", sagt Bilger auf Nachfrage unserer Zeitung. Im Moment gebe es für solche Projekte aber keine Mittel des Bundes aus dem Straßenbauetat. "Ich bin aber mit der Stadt im Gespräch, ob andere Fördertöpfe neue Möglichkeiten bieten könnten, um zumindest einen Teil der Kosten abzudecken."

 

Hettich

Alexander Hettich

Stellvertretender Leiter der Regionalredaktion

Alexander Hettich ist stellvertretender Leiter der Regionalredaktion. Er arbeitet seit 2003 bei der Heilbronner Stimme, berichtet über Verkehrsthemen, über Kommunalpolitik und Heilbronn.

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