Alexander Gerst erhält Ehrendoktorwürde am KIT

Karlsruhe/Künzelsau  Alexander Gerst trägt seit heute einen weiteren Titel: Ehrendoktor des Karlsruher Instituts für Technologie. Diese Auszeichnung wurde dem Künzelsauer bei einer feierlichen Zeremonie am KIT-Campus verliehen.

Von Christoph Donauer
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Astronaut Alexander Gerst erhält Ehrendoktorwürde
Alexander Gerst hält am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) einen Vortrag. Zuvor wurde er dort mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.

Es ist ein lächelnder, winkender Alexander Gerst, der sich im blauen Overall den Besuchern im Hörsaal präsentiert. Wo der 43-Jährige heute steht, hat seine Laufbahn begonnen. 2003 schloss er sein Geophysik-Studium mit dem Diplom ab. Damals noch an der Universität Karlsruhe, die später zum KIT wurde. 

Heute, 16 Jahre und zwei Weltraummissionen später, sind die Fakultäten der Physik und der für Bauingenieur-, Geo-, und Umweltwissenschaften stolz auf ihren prominenten Absolventen. „Das ist etwas, was wir nicht jeden Tag machen“, sagt KIT-Präsident Holger Hanselka. Beide Fakultäten haben sich zusammengeschlossen, um Gerst gemeinsam zu ehren.

Das Weltall in Köpfe und Herzen getragen

„Der Astronaut war früher in jeder Bravo-Zeitung, man konnte ihn ausschneiden und sich als großes Poster an die Wand hängen“, sagt Hanselka. In der Bravo steht Gerst nicht mehr, dafür folgen ihm Millionen Menschen im Netz. „Sie haben nicht nur die Wissenschaft im Weltraum vorangebracht, sondern Sie nutzen das sehr geschickt, um es auch in die Köpfe und in die Herzen reinzutragen.“

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Auch Gersts Professor Friedemann Wenzel erinnert sich an den strebsamen Studenten. Als dieser sich den Ätna nach einem Ausbruch anschauen will, schickt Wenzel sofort ein Fax an den Katastrophenschutz. „Alexander wollte immer über diese Grenzen gehen“, sagt er. „Man hatte das Gefühl, ihm wurde diese Oberfläche der Erde, an die wir alle gebunden sind, irgendwie zu eng.“

Noch während seines Studiums bewirbt sich Gerst als Astronaut und macht die Grundausbildung. Im November 2010 wird er ESA-Astronaut. 2014 und 2018 fliegt er auf die Internationale Raumstation ISS. Insgesamt 362 Tage verbringt der 43-Jährige im All.

Ein häufiges Thema von Gerst ist die Erderwärmung

Immer wieder meldet er sich in sozialen Netzwerken von der ISS. Aus 400 Kilometer Entfernung sendet er Fotos von Hurrikan Florence und dem dürrebraunen Deutschland im Sommer 2018. In Videos erklärt er, was Astronauten essen und wie die Toilette funktioniert. Und er spricht oft über die Erderwärmung.

Astronaut Alexander Gerst erhält Ehrendoktorwürde
Gerst übergibt eine Fahne, die er im All dabei hatte, an Holger Hanselka, Präsident des KIT. Fotos: dpa

Es ist diese Mischung aus Wissenschaftler, Botschafter und Popstar, für die er als Ehrendoktor gewürdigt wird. Im Gegenzug hat Gerst selbst etwas mitgebracht: Eine Flagge des KIT, die er an Bord der Raumstation dabei hatte. „Diese Flagge war da oben mit mir und ich finde die gehört wieder an ihren Ursprungsort zurück“, sagt Gerst. Die KIT-Verantwortlichen versichern, sie an einem sichtbaren Ort aufzuhängen. 

Für die Studenten schweift der Astronaut noch einmal durch die Fotos seiner Weltraummission. Viele haben die Bilder schon bei Twitter gesehen. „Eine Entdeckungsreise ist erst dann zu Ende, wenn man wieder an den Ort zurückkehrt, von dem man gestartet ist“, sagt Gerst. Erst dann könne man diesen Ort, die Erde, wirklich verstehen. 

„Wenn wir unseren Planeten zerstören, ist das dem Universum egal“, sagt Gerst. Zu klein und unbedeutend sei die Erde im schwarzen Ozean des Universums. Und zu gering die Chance, dass die Menschheit zeitnah einen weiteren bewohnbaren Planeten findet. „Wir haben nur diesen einen Ort.“

Dinge verstehen, die man doch nicht erfassen kann

Ins Weltall zu fliegen ist jedes Mal eine Faszination für den Geophysiker. Oft habe er gestaunt, wie dünn die Atmosphäre ist - obwohl er das an der Uni in fast jeder Prüfung wissen musste. „Das ist einer der Gründe, warum wir so fasziniert sind vom Weltraum. Weil wir Sachen sehen, die wir vielleicht theoretisch verstehen, aber doch nicht erfassen können.“

Nicht immer sind es schöne Momente, die Kommandant Gerst und seine beiden Kollegen beobachten. „Man sieht auch Kriege da oben. Man sieht Raketen, die hochfliegen und in einem Blitz enden. Das ist schon Wahnsinn. Und man selbst kann nichts tun.“ 

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Der überwiegende Teil seiner Arbeit habe aber darin bestanden, wissenschaftliche Experimente durchzuführen. Die Crew erforscht auf ihrer Mission, wie Wurzeln und Tumorzellen wachsen. Sie züchtet Kristalle, die bei Parkinson entstehen. Und sie arbeitet mit Künstlicher Intelligenz zusammen. 

„Ich finde es immer gut, wenn es Experimente sind, bei denen ganz klar ist, dass sie Menschen hier unten helfen können.“ Die Raumfahrt sei eine Investition in die Zukunft aller. Die Studierenden hören dem Astronauten gespannt zu. Sie alle müssten den Mut haben, etwas verändern zu wollen. „Das schlimmste, was man tun könnte, wäre, es gar nicht zu probieren. Man muss dem Weg des Schicksals immer eine Gelegenheit geben.“


 

Was bedeutet Honoris Causa?

Die Ehrendoktorwürde leitet sich aus dem Lateinischen honoris causa, „ehrenhalber“, ab. Sie wird für besondere wissenschaftliche Verdienste von einer Fakultät oder Universität verliehen. Für Alexander Gerst ist es nicht der erste Titel: Er promovierte an der Uni Hamburg, trägt unter anderem das Bundesverdienstkreuz und ist Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Künzelsau. 

 


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