Innovationscampus Rhein-Neckar: Ein Dach für die Hochschulmedizin

Stuttgart  Die Landesregierung will mit 120 Millionen Euro Medizin- und Forschungsstandorte stärker vernetzen und international wettbewerbsfähiger machen. Dafür investiert sie in den Verbund der Hochschulmedizin im Land und in einen Innovationscampus Rhein-Neckar.

Von unserem Korrespondenten Peter Reinhardt
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Forschungsministerin Theresia Bauer (Grüne) sieht in der Gesundheitsbranche eine Leitbranche für Baden-Württemberg.

Fotos: dpa

"Wir wollen einen Leuchtturm aufbauen, der in der ersten Liga bestehen kann", sagt Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) über den neuen Innovationscampus Rhein-Neckar. Eine erste Tranche in Höhe von 18 Millionen Euro hat der Ministerrat am Dienstag für den Ausbau der Kooperation an den Medizinstandorten Mannheim und Heidelberg freigegeben. Weitere 42 Millionen stehen für die Vernetzung der bestehenden Hochschulmedizin in Heidelberg, Tübingen, Freiburg und Ulm zur Verfügung. Bis 2024 sind für beide Felder 120 Millionen Euro vorgesehen.

"Die Gesundheitswirtschaft ist für Baden-Württemberg eine strategische Leitbranche wie die Automobilindustrie", ordnet Bauer die Beschlüsse ein. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vertritt die Ansicht, dass die sogenannten Lebenswissenschaften in der nächsten Legislaturperiode nach der Landtagswahl eine "sehr wichtige Rolle spielen werden". In der Spitzenmedizin der vier Universitätskliniken sei mehr Zusammenarbeit notwendig: "Wir konkurrieren da mit Standorten auf der ganzen Welt." Auch Bauer sieht die Konkurrenz "nicht in Kaiserslautern, sondern in Boston".

Kretschmann erinnert an die erfolgreiche Zusammenarbeit der vier Unikliniken in der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Als gelungenes Beispiel der Zusammenarbeit lobt er die Studie über die Ansteckungsrisiken von Kindern. Die Entwicklung der Impfstoffe zeige, wie wichtig die schnelle Umsetzung der Forschung in Produkte sei.

Entwicklung neuer Medikamente und Heilverfahren beschleunigen

Auf dem Innovationscampus Rhein-Neckar soll die enge Zusammenarbeit von exzellenten Wissenschaftsinstituten mit außeruniversitären Einrichtungen und Unternehmen die Entwicklung neuer Produkte, Medikamente und Heilverfahren beschleunigen. Bauer verweist auf die Hochschulmedizin beider Städte, das Deutsche Krebsforschungszentrum, das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) und Max-Planck-Institute. Als Partner der Spitzenforscher sieht sie den Softwarekonzern SAP, Pharmahersteller Roche Diagnostics und viele Firmen in der Region. Inhaltliche Schwerpunkte des Innovationscampus sieht Bauer beim Kampf gegen Krebs, Herz-Kreislaufprobleme, Diabetes und Lungenerkrankungen. Konkret könne sich das ZI in Mannheim zum Beispiel bei der Behandlung von neuropsychiatrischen Erkrankungen gut ergänzen mit den Spezialisten der Heidelberger Uniklinik.

Vorbild: Tübinger Cyber Valley

Als Vorbild für den Innovationscampus nennt die Grünen-Politikerin das Tübinger Cyber Valley, wo Spitzenforschung zur Künstlichen Intelligenz mit der anwendungsbezogenen Sichtweise von Unternehmen kombiniert werde. Dort baut der US-Konzern Amazon eine Forschungseinheit auf. In der Region Rhein-Neckar will das Land insgesamt 40 Millionen Euro für die Innovationsförderung bereitstellen. Kretschmanns Ziel: "Wir wollen die vor Ort vorhandenen Potenziale noch besser nutzbar machen."

Gleichzeitig etabliert das Land einen neuen Kooperationsverbund "Hochschulmedizin Baden-Württemberg". Ende Februar soll ein Verein als Dach für gemeinsame Projekte in Forschung, Versorgung und Lehre der vier Unikliniken und medizinischen Fakultäten starten. Die Digitalisierung der Medizin schaffe neue Möglichkeiten, erläutert Bauer. Für die Forschung über verschiedene Krankheitsbilder seien große Datenmengen notwendig. Das könnten die vier Unikliniken nur in Zusammenarbeit leisten.

 

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