Die Stuttgarter Krawallnacht und ihre Täter

Stuttgart  Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) legt aktuelle Zahlen zu den Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt vor. Bislang wurden 124 Tatverdächtige ermittelt. Die Opposition im Landtag sieht noch Aufklärungsbedarf.

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Ein halbes Jahr danach sind die Krawalle von Stuttgart immer noch Gegenstand von Ermittlungen. In der Nacht zum 21. Juni kam es in der Gegend rund um den Schlossplatz, den Eckensee sowie die Einkaufsmeile Königstraße zu Ausschreitungen sowie zu Plünderungen in Geschäften. Bislang hat die Polizei insgesamt 124 Tatverdächtige ermittelt - bei 117 Personen besteht ein konkreter Verdacht, dass sie in der Tatnacht beteiligt waren.

Strobl lobt Ermittlungsarbeit

"Die intensive und akribische Ermittlungsarbeit hat sich ausgezahlt", sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) gestern im Stuttgarter Landtag. Strobl präsentierte zudem auch konkrete Zahlen zu den Tatverdächtigen. Etwa drei Viertel von ihnen sind 21 Jahre oder jünger - und über 90 Prozent von ihnen sind männlich. Die meisten Tatverdächtigen kommen aus Stuttgart oder dem näheren Umland, zum Beispiel aus dem Landkreis Ludwigsburg. Laut Strobl besitzen 68 Prozent der Tatverdächtigen die deutsche Staatsbürgerschaft - drei Viertel davon haben einen Migrationshintergrund.

Ausländische Täter

Unter den Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft befinden sich Tatverdächtige aus 19 verschiedenen Ländern. Das gesamte Spektrum reicht vom 13-jährigen syrischen Flüchtling bis hin zum 29-jährigen Deutschen mit Ausbildung, heißt es im Innenministerium.

Urteil des Stuttgarter Amtsgerichts

Die ersten Gerichtsurteile wurden vor mehr als einem Monat gesprochen. Damals verurteilte das Stuttgarter Amtsgericht einen 18- und einen 19-Jährigen wegen besonders schweren Landfriedensbruchs und versuchter schwerer Körperverletzung zu Jugendstrafen von jeweils zweieinhalb Jahren Haft.

Strobl: Taten waren nicht vorab geplant

"Nach wie vor ist nicht von geplanten, organisiert ausgeübten Tathandlungen auszugehen", erklärte Strobl - und verwies auf die Maßnahmen, die das Land gemeinsam mit der Stadt als Folge der Krawallnacht umgesetzt habe. Hierzu zählten unter anderem verstärkte Präsenzstreifen, Schwerpunktkontrollen, Videoüberwachung und ein neues Beleuchtungskonzept.

Opposition hat noch Fragen

Die Opposition ist mit dem Vorgehen Strobls unzufrieden. SPD-Innenexperte Sascha Binder hält dem CDU-Politiker vor, es gebe noch zu wenige Erkenntnisse dazu, wie es zu den Krawallen kam. "Die bisherigen Ermittlungsergebnisse lassen keinen abschließenden Rückschluss auf Ursachen der Ausschreitungen und Motivation der Tatverdächtigen zu", sagte Binder.

Die Sicherheitspartnerschaft des Landes mit der Stadt Stuttgart sei zwar eilig beschlossen worden, sagte FDP-Innenexperte Ulrich Goll. Es sei jedoch ein Versäumnis, dass nicht die Nachbargemeinden miteinbezogen worden seien.

AfD-Politiker Daniel Rottmann bezeichnete Strobl hingegen als "zahnlosen Tiger". Die Hälfte des Zehn-Punkte-Plans, den Strobl nach der Krawallnacht erarbeitete habe, sei "das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben ist", sagte Rottmann.


Michael Schwarz

Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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