Zweifel an rechtsradikalem Hintergrund

Nach der Brandstiftung in einem überwiegend von Türken bewohnten Mehrfamilienhaus in Backnang mehren sich die Zweifel an einem fremdenfeindlichen Hintergrund. „Die Spur ist nicht heiß“, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Ursache für die Brandstiftung könnte auch Streit unter den Bewohnern oder mit Nachbarn sein

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Brand mit möglichem rechtsradikalen Hintergrund
Hakenkreuz-Schmierereien und rechtsradikale Parolen auf der Wand im Hinterhof des Gebäudes. (Foto: dpa)

Backnang - Nach der Brandstiftung in einem überwiegend von Türken bewohnten Mehrfamilienhaus in Backnang (Rems-Murr-Kreis) mehren sich die Zweifel an einem fremdenfeindlichen Hintergrund. „Die Spur ist nicht heiß“, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Man gehe nun davon aus, dass der im Hinterhof aufgesprühte, schwer leserliche Text „Deutsche alle sterben“ und nicht „Jetst alle sterben“ laute. Auch die auf die Wand geschmierten umgedrehten Hakenkreuze deuteten eher nicht auf Rechtsradikale hin. Ursache für die Brandstiftung könnte auch Streit unter den Bewohnern oder mit Nachbarn sein. Bei dem Feuer am Samstag waren fünf Menschen verletzt worden.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), forderte schnelle Aufklärung. Sollte es sich um einen fremdenfeindlichen Anschlag handeln, gelte „Null Toleranz“, teilte Böhmer in Berlin mit. „Ich hoffe, dass der oder die Täter schnell gefasst und hart bestraft werden.“

Es sei unwahrscheinlich, dass Neonazis nicht wüssten, wie man ein Hakenkreuz macht, hieß es bei der Polizei. Möglicherweise habe jemand den Verdacht auf Rechtsextreme lenken wollen. Es werde aber weiter in alle Richtungen ermittelt, sagte der Sprecher. Die Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizei sei von vier auf neun Beamte aufgestockt worden.

Der Rems-Murr-Kreis gilt als Hochburg für Skinheads in Baden- Württemberg - im vergangenen Jahr war ihre Zahl um sieben auf 90 angewachsen. Die Zahl der rechtsmotivierten Straftaten ging 2007 um sechs auf 85 Fälle zurück. Erfreulich sei, dass die Angriffe auf Ausländer im vergangenen Jahr von elf auf drei Fälle gesunken sei, erklärte der Sprecher. Vor allem vor 2005 hatte es immer wieder Übergriffe auf Ausländer gegeben. So hatten Rechtsradikale vor zwei Jahren in Backnang einen Brandanschlag auf eine Imbissbude eines Türken verübt.

Angesichts der Zweifel an einem fremdenfeindlichen Hintergrund beschäftigen sich die Ermittler nun stärker mit dem Umfeld des Hauses in der Innenstadt von Backnang. Der Sprecher erklärte, man gehe auch angeblichen Unstimmigkeiten zwischen Bewohnern des Mehrfamilienhauses und Anwohnern nach. Zudem würden Taxifahrer und Zeitungsausträger zu möglichen Beobachtungen befragt.

Der Brand war am Samstag kurz vor 05.00 Uhr im Flur des Mehrfamilienhauses in der Backnanger Innenstadt aus, in dem sich zu dem Zeitpunkt 25 Personen befanden. Fünf von ihnen erlitten Rauchvergiftungen. Die Flammen konnten von einem Bewohner mit einem Feuerlöscher vollständig erstickt werden. Der oder die Täter hatten einen Kinderwagen im Flur des Hauses in Brand gesteckt. (lsw)
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