Wo liegt Südwest-Sibirien?

Hobby-Meteorologen suchen den kältesten Ort im Land

Von Marc Herwig
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Wo liegt Südwest-Sibirien?

"Die Menschen erleben das Wetter im Winter intensiver, weil es schneit und glatt ist."

Marco Kaschuba, Wetterforscher

Natur - Minus 36,1 Grad − so tief ist bislang nur ein einziges Mal ein Thermometer in Baden-Württemberg gesunken. Am 1. März 2005 wurde der aktuelle Kälterekord in Albstadt-Degerfeld im Zollernalbkreis gemessen. Aber Marco Kaschuba ist sicher: Es geht noch eisiger. Gemeinsam mit drei Freunden sucht der Hobby-Meteorologe aus Metzingen den kältesten Ort des Landes. An den Schwarzwald verschwenden sie dabei keinen Gedanken. Minusrekorde vermuten sie auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb.

Das Wetter hat die vier Hobby-Meteorologen schon lange in seinen Bann geschlagen. Jeder hat eine professionelle Wetterstation zu Hause und verfolgt genau, wie sich Temperatur, Wind, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck entwickeln. "Aber im Winter ist eigentlich nichts los", sagt Kaschuba. "Die Menschen erleben das Wetter dann zwar intensiver, weil es schneit und glatt ist. Aber in der Atmosphäre passiert nicht viel", erklärt der 30-Jährige, der eigentlich Fachinformatiker ist. So kam das Team auf die Idee, den kältesten Ort des Landes zu suchen.

Auf einer Landkarte haben die vier Männer den Südwesten abgesucht. Hoch muss der kälteste Ort liegen, denn je höher man ist, desto kälter wird es. Allerdings sinkt kalte Luft nach unten. Man braucht also Senken, in denen sich die Kälte sammelt. Täler kommen nicht infrage, denn dann kann die kalte Luft einfach talabwärts wegfließen. Deshalb war der Schwarzwald schnell aus dem Rennen: Dort gibt es zwar viele hoch gelegene Täler, aber die Kälte findet immer einen Ausgang.

Auf der Schwäbischen Alb wurden die Kälte-Jäger aber fündig. Dort gibt es in knapp 1000 Metern Höhe eine ganze Reihe von Dolinen, in denen sich die kalte Luft sammeln kann. Sechs solcher Senken hat sich das Team ausgewählt und dort Messinstrumente aufgestellt.

Die Doline am Flughafen Albstadt-Degerfeld war schon für regelmäßige Kälterekorde bekannt, seit die Firma Meteomedia von Wettermoderator Jörg Kachelmann dort eine Messstation aufgestellt hatte. Auch das Große Rinnental bei Sonnenbühl im Kreis Reutlingen zählt zu den großen Hoffnungen der Kälte-Forscher. Ihr Favorit ist im Moment aber das Dolinenfeld Meßstetten im Zollernalbkreis auf dem Großen Heuberg. "Die Bauern, die dort ihre Wiesen haben, sagen, wir hätten uns da ein gutes Gelände ausgesucht", erzählt Kaschuba. Und in der Tat: "Wir haben schon Stellen gefunden, die kälter sind, als das berüchtigte Albstadt-Degerfeld", sagt sein Mitstreiter Jörg Henschel.

Gern gesehen sind die Hobby-Meteorologen bei ihren Messungen allerdings nicht immer. Gerade Orte mit einem starken Tourismus haben keinerlei Interesse, als Kälteloch Schlagzeilen zu machen. Die Messstation Albstadt-Degerfeld musste auf Druck der Stadt hin sogar umbenannt werden und heißt jetzt offiziell Doline Degerfeld.

Um eines Tages wirklich den kältesten Punkt Baden-Württembergs bestimmen zu können, gibt es im Moment aber noch ein entscheidendes Hindernis: Die Bundeswehr. Denn den allerkältesten Ort Baden-Württembergs vermuten die Kälte-Forscher auf dem Heuberg bei Stetten am kalten Markt im Kreis Sigmaringen. Allerdings liegen sie auf einem Truppenübungsplatz der Bundeswehr, und die Wetterforscher dürfen ihre Messgeräte nicht aufstellen.


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