Wie teuer wird ein möglicher Stuttgart-21-Ausstieg?

Stuttgart - Zwei Experten, drei Meinungen − das trifft auch auf die Frage zu, was es kosten würde, aus dem Milliardenprojekt Stuttgart 21 noch auszusteigen. Zwei Milliarden Euro, rechnete Baden-Württembergs CDU-Fraktionschef Peter Hauk (CDU) kürzlich vor. Auf gerade mal ein Viertel dieser Summe kommt Bahnexperte Christian Böttger, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin.

Von Roland Böhm
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Stuttgart - Zwei Experten, drei Meinungen − das trifft auch auf die Frage zu, was es kosten würde, aus dem Milliardenprojekt Stuttgart 21 noch auszusteigen. Zwei Milliarden Euro, rechnete Baden-Württembergs CDU-Fraktionschef Peter Hauk (CDU) kürzlich vor. Auf gerade mal ein Viertel dieser Summe kommt Bahnexperte Christian Böttger, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Bahnchef Rüdiger Grube wiederum spricht stets von 1,4 Milliarden Euro Ausstiegskosten.

Seine Rechnung setzt sich im Wesentlichen zusammen aus 760 Millionen Euro, die sein Unternehmen an die Stadt Stuttgart zurückzahlen müsste, Planungskosten von 440 Millionen Euro und 240 Millionen Euro für vergebene Aufträge.

Böttger hingegen rechnet anders: Der größte Batzen, also die 760 Millionen für die Grundstücke, müsste nur von der Bahn auf das Konto der Stadt zurückgebucht werden. Echte Ausstiegskosten seien das nicht, eher ein Nullsummenspiel. Die Deutsche Bahn AG habe einen Großteil des Geldes erst 2009 als Sondergewinn in der ersten Grube-Bilanz verbucht. Mögliche steuerliche Aspekte ignoriert Böttger.

Warnung

Die Bahn hingegen warnt vor Schadensersatzansprüchen wegen der Grundstückserlöse. Böttger sagt, die Rückabwicklung sei vertraglich gesichert. Laut Vertrag müsse die Bahn beim Aus für Stuttgart 21 den Verkaufserlös plus 5,5 Prozent Zinsen pro Jahr an die Stadt zurückzahlen.

Bleiben Kosten für Planung und bereits vergebene Bauaufträge, die Böttger auf rund 600 Millionen Euro schätzt. Rausrechnen könne man da noch etwa die Planungskosten für die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm. "Die kann ja trotzdem gebaut werden", sagte Böttger. Tatsächlich sitzenbleiben würde man aus Böttgers Sicht auf rund 450 bis 500 Millionen Euro. Selbst diese Summe ließe sich noch drücken, ist er überzeugt. Am Hauptbahnhof müsse ja ohnehin einiges getan werden. Die Aufträge da könnten eine wichtige Verhandlungsmasse im Gespräch mit den Baufirmen sein.

Trotz der auch von ihm prognostizierten mehreren hundert Millionen Euro Ausstiegskosten empfiehlt Böttger das Aus. Ein Sprecher des baden-württembergischen Umwelt- und Verkehrsministeriums widersprach am Sonntag: "Gegner des Bahnprojektes neigen ganz offensichtlich dazu, die immensen Folgekosten bei einem etwaigen Ausstieg aus dem Projekt klein und die Kosten bei einer Realisierung des Projekts groß zu rechnen." Die von Böttger genannten Zahlen seien nicht seriös.

Unterirdisch

Bei Stuttgart 21 soll der Kopfbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgebaut und mit einer Schnellbahnstrecke nach Ulm verbunden werden. Das Projekt soll nach Angaben der Bahn etwa sieben Milliarden Euro kosten, die Gegner befürchten Kosten von zehn bis 18 Milliarden Euro.


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