Warnstreikwelle erfasst Baden-Württemberg

Zum Auftakt legten 800 Metaller des DaimlerChrysler Pkw-Werkes in Rastatt ihre Arbeit am frühen Morgen für zweieinhalb Stunden nieder.

Die Warnstreikwelle hat am Montag die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg erfasst. Zum Auftakt legten 800 Metaller des DaimlerChrysler Pkw-Werkes in Rastatt ihre Arbeit am frühen Morgen für zweieinhalb Stunden nieder. Vor dem Werk verliehen sie sich mit Transparenten, roten Warnstreikwesten und Kappen der Forderung der IG Metall nach 6,5 Prozent mehr Einkommen Nachdruck. Die Hoffnungen auf einen Durchbruch konzentrieren sich indes auf die 5. Verhandlungsrunde für die 800 000 Beschäftigten der Südwest- Branche in Sindelfingen (Kreis Böblingen). Das Treffen im Tarifbezirk Baden-Württemberg ist die letzte Chance, um den von der IG Metall angedrohten flächendeckenden Arbeitskampf in der Metallindustrie mit ihren 3,4 Millionen Beschäftigten abzuwenden.

Zwischen den Vorstellungen beider Seiten besteht noch immer eine Kluft von mehr als drei Prozentpunkten. Denn Südwestmetall bietet 2,5 Prozent mehr Entgelt und einen einmaligen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent. Zuletzt hatten Arbeitgeber und IG Metall übereinstimmend eine längere Laufzeit des neuen Tarifvertrages als mögliche Stellschraube ins Gespräch gebracht. Ein Gewerkschaftssprecher sagte allerdings: „Auch wenn man sich über die Laufzeit verständigen kann, kommt es am Ende auf die Zahl an, die dasteht.“

Ein Abschluss mit einer langen Laufzeit wurde zuletzt in Pforzheim 2004 vereinbart. In der Regel sind solche Abschlüsse auf zwei zeitliche Abschnitte verteilt, so auch 2004: Der Tarifvertrag mit 24 Monaten Dauer sah eine Entgelterhöhung ab 1. März 2004 um 2,2 Prozent im Volumen und ab 1. März 2005 um 2,7 Prozent im Volumen vor.

Neben dem DaimlerChrysler-Werk in Rastatt waren auch DaimlerChrysler-Werke in Düsseldorf am Montag von vorübergehenden Arbeitsniederlegungen betroffen. Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Verwaltungsstelle Gaggenau, Roman Zitzelsberger, sprach von einer „hervorragenden Stimmung“ in Rastatt. Er zeigte sich zu „100 Prozent sicher“, dass die Belegschaft auch einen flächendeckenden Arbeitskampf mittragen werde, wenn es keine Lösung an diesem Donnerstag gebe. Die Beschäftigten hätten kein Verständnis für die starre Haltung der Arbeitgeber. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Arbeitgeber sich beleidigt zeigen, weil wir ihr Angebot nicht zu würdigen wissen. Wir haben viel mehr Grund, beleidigt zu sein.“

Nach seiner Einschätzung sind durch den Warnstreik mehr als 50 Wagen der Mercedes A- und B-Klasse nicht gebaut worden. Die Auftragsbücher des Werks seien voll, die Auslastung „am oberen Ende“. Noch besser sei die Entwicklung im benachbarten Werk für Nutzfahrzeuggetriebe. Dort sei mit 21 Schichten an sieben Tagen die Kapazitätsgrenze erreicht. Angesichts der starren Haltung der Arbeitgeber genehmigten die Betriebsräte dort seit vergangenem Wochenende 50 Prozent weniger Überstunden als von der Geschäftsführung gewünscht. Gebe es in Sindelfingen keinen Durchbruch, werde gar keine Mehrarbeit mehr erlaubt. Dadurch werde die Produktion von Lastkraftwagen im Werk im rheinland-pfälzischen Wörth erheblich betroffen.

Auch die Nachtschicht des Sägenherstellers STIHL in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) beteiligte sich an Warnstreiks. Aktionen in weiteren Betrieben im Südwesten waren geplant. Am Mittwoch erreicht die Warnstreikwelle einen Höhepunkt mit Kundgebungen und Protesten bei DaimlerChrysler in Sindelfingen, Porsche in Stuttgart, ZF in Friedrichshafen, Audi in Neckarsulm und beim Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck.