Von Stetten bleibt unter Beschuss

Was seit Wochen an der Basis leise als kritische Töne zu vernehmen war, hat sich am Wochenende als heftiges Gewitter entladen: Führende CDU-Mitglieder üben massiv Kritik am CDU-Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten. Es geht um seine Nebentätigkeiten, Porto-Abrechnungen der CDU-Mittelstandsvereinigung, deren Landesvorsitzender der Freiherr ist und um einige Gerüchte mehr.

Von Uwe Ralf Heer und Detlef Hintze

Von Stetten bleibt unter Beschuss
Auf Schloss Stetten war 2003 bis 2006 die Landesgeschäftsstelle der CDU-Mittelstandsvereinigung. Die Portokasse erregte Aufmerksamkeit.Foto : Archiv/ Beuther

Stuttgart/Künzelsau - Was seit Wochen an der Basis leise als kritische Töne zu vernehmen war, hat sich am Wochenende als heftiges Gewitter entladen: Führende CDU-Mitglieder üben massiv Kritik am CDU-Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten (36). Es geht um seine Nebentätigkeiten, Porto-Abrechnungen der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT), deren Landesvorsitzender der Freiherr ist und um einige Gerüchte mehr.

Hauptkritikpunkt innerhalb der MIT: Im Jahr 2005 waren 14 700 Euro als Portokosten abgerechnet worden, fast 10 000 Euro mehr als im Jahr danach. Den unterschwelligen Verdacht, der Bundestagsabgeordnete hätte seine MIT-Tätigkeit und die Wahlkampffinanzierung nicht richtig auseinander gehalten, weist von Stetten empört zurück: „Da gab es keine unerlaubten Sachen.“ Außerdem verstehe er nicht, weshalb diese alten Geschichten jetzt hoch kommen. Am 18. Juni sei die Portokasse beim MIT-Vorstand geprüft und festgestellt worden, „dass die Portokosten von Juli bis September 2005 - der Zeitraum des Bundestagswahlkampfs - nicht auffällig gestiegen sind.“ Außerdem sei 2005 ein Jahr mit vielen MIT-Veranstaltungen und entsprechenden Einladungen gewesen.

Seit 1. Februar 2007 ist Andreas Zwickl als Betreuer des Wahlkreisbüros auf Schloss Stetten angestellt. 2003 bis 2006 war er MIT-Landesgeschäftsführer - ebenfalls mit Schloss-Sitz. „Für alle Tätigkeiten außerhalb der MIT hat Zwickl eine Extra-Entlohnung erhalten“, weist der Bundestagsdabgeordnete Mutmaßungen über mögliche Querfinanzierungen zurück. Und wörtlich fügt er auf Nachfrage hinzu: „Mir ist daraus kein finanzieller Vorteil entstanden.“

Von Stetten bleibt unter Beschuss
Der Bundestagsabgeordnete von Stetten verteidigt sich.Foto: Archiv/Reichert
Kritisiert wird von Stetten innerhalb der CDU zudem für seine Beteiligung an sieben Gesellschaften sowie zahlreiche ehrenamtliche Funktionen in Unternehmen, die er aber allesamt im Verlauf des letzten halben Jahres abgegeben hat. CDU-Generalsekretär Thomas Strobl bestätigt: „Ich weiß, dass es bei der MIT seit einem halben Jahr heftig grummelt, er habe Sitzungstermine nicht eingehalten oder während der Sitzungen telefoniert. Konkreteres kommt aber nicht.“ Strobl mahnt Fairness im Umgang miteinander an, meint aber, „dass es von Stetten nie gelungen ist, in seinem Wahlkreis zu einem Frieden zu kommen.“ Die Verbindung zu Öhringens OB Jochen K. Kübler bezeichnet Strobl als zerrüttet.

Von Stetten ist Abgeordneter des Wahlkreises Schwäbisch Hall-Hohenlohe, der aus den CDU-Kreisverbänden Schwäbisch Hall und Hohenlohe besteht. Bislang galt sein Verhältnis zum Haller CDU-Kreisvorsitzenden Helmut W. Rüeck als gut. Der Crailsheimer bestreitet auch, mit seiner offenen Kritik persönliche Motive zu verfolgen: „Ich habe absolut keine Ambitionen auf ein Bundestagsmandat.“ Es gehe ihm um die Sache, von Stetten soll in seinem eigenen Interesse Klartext sprechen. „Ich habe nie mit Rücktritt gedroht, sondern gesagt, wenn das so weiter geht, dann soll sich die CDU bei der nächsten Wahl einen anderen Kreisvorsitzenden suchen“, widerspricht Rüeck anderslautenden Meldungen vom Wochenende. Und vom Gegrummel an der CDU-Basis genervt fügt er hinzu: „Von Stetten soll sagen, was Sache ist, damit Ruhe einkehrt.“ Kübler, der Vorsitzende des CDU-Kreises Hohenlohe, stößt ins gleiche Horn: „Es ist wichtig, dass wir Klarheit erhalten. Die CDU-Mitglieder wollen wissen, was an den Medienberichten dran ist.“ Gestern Abend wollte zunächst der Haller Kreisvorstand tagen.

Gestern Nachmittag erklärte Stetten den andauernden Unmut gegenüber unserer Zeitung so: „Ich habe bisher gute Wahlergebnisse, vertrete als Unternehmer den CDU-Mittelstandsflügel und muss deshalb mit dem ein oder anderen Stänkerer rechnen.“ Und damit in der Öffentlichkeit erst gar keine Zweifel aufkommen, fügt er noch forsch hinzu: „Ende 2007 kandidiere ich wieder für den MIT-Vorsitz und 2009 für den Bundestag.“