Schloss Salem bald unterm Hammer?

Prinz Bernhard droht dem Land mit dem Verkauf an private Investoren

Von Peter Reinhardt
Schloss Salem bald unterm Hammer?
Bernhard Prinz von Baden könnte die Schlüssel für die weitläufige Anlage privaten Interessenten übergeben, wenn keine andere Lösung gefunden wird.Foto: lsw

Finanzsorgen - Das Haus Baden erhöht im Streit um die Rettung von Schloss Salem den Druck auf das Land. Die Familie lässt ein Wertgutachten für die Anlage am Bodensee erstellen. Dem Land droht Bernhard Prinz von Baden mit einem Verkauf an private Investoren. Bis Ende des Jahres will er Klarheit, weil dann das Stillhalteabkommen der Banken für gestundete Kredite über 30 Millionen Euro ausläuft.

Die Situation ist verworren. Eigentlich waren sich das Haus Baden und die Regierung über einen Vergleich über 70 Millionen Euro einig, der über den Verkauf von alten Handschriften finanziert werden sollte. Mit dem Erlös hätte die Adelsfamilie die bei der Sanierung des Schlosses aufgelaufenen Verbindlichkeiten ablösen können. Die restlichen 40 Millionen wollte das Land als Kapital für eine Stiftung einsetzen und aus deren Erträgen die Erhaltung des früheren Zisterzienserklosters langfristig finanzieren. Das endete vor Jahresfrist mit einem politischen Desaster für die Regierung von Günther Oettinger, weil sich die internationale Kunstszene gegen den Deal stemmte. Der Vergleich war endgültig gescheitert, als ein Experte dem Land nachwies, dass es für acht Millionen ein Gemälde kaufen wollte, das ihm bereits gehört. Seither versuchen Experten die Eigentumsrechte der Kunstschätze zu klären.

„Die Aufklärung der juristischen Fragen verzögert sich ständig“, klagt Prinz Bernhard. Kürzlich erweckte Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) den Eindruck, dass mit dem Gutachten erst gegen Weihnachten zu rechnen ist. Daneben geriet die Suche nach einer Lösung für das Schloss bei der Regierung aus dem Blickfeld.

Nun will sich der Generalbevollmächtigte des Hauses Baden nicht länger hinhalten lassen. Notfalls müsse das Schloss Salem, in dem unter anderem die gleichnamige Privatschule untergebracht ist, an Private verkauft werden. „Die Zeit drängt, weil das Moratorium mit den Banken zum Jahresende ausläuft“, betont Prinz Bernhard. Bei Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) zeigen die Daumenschrauben gestern zunächst keine sichtbare Wirkung: „Nach Kenntnisnahme der Expertise wird die Landesregierung das weitere Vorgehen beraten.“

Dabei bekennt sich selbst die Opposition einhellig zur Rettung des Schlosses. „Es muss eine Lösung geben“, sagt der Grünen-Abgeordnete Jürgen Walter. Und für die SPD-Opposition sieht Nils Schmid die Regierung „in der Pflicht, Salem für die Öffentlichkeit zu retten“. Allerdings betont der SPD-Fraktionsvize zugleich: „Landesmittel kommen für die Tilgung der Altschulden nicht in Frage.“

Prinz Bernhard verlangt eine Lösung für das Schloss unabhängig vom Eigentumsstreit um die Kunstschätze. Ohnehin traut der 37-jährige Adelige Frankenbergs Expertenrunde nicht und hat eine eigene Kommission eingesetzt.


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