Museumschefs sollen Bestände opfern

Landesregierung schließt Vergleich mit dem Haus Baden

Von Peter Reinhardt

Museumschefs sollen Bestände opfern
Das Corpus Delicti bringt ordentlich Geld: Für 70 Millionen Euro Entschädigungszahlung sollen die Markgrafen sämtliche Ansprüche an den Kulturgütern und den Handschriften abtreten.

Foto: lsw

Die Landesregierung hat den weltweiten Protesten gegen den geplanten Verkauf von Beständen der Badischen Landesbibliothek nachgegeben. Alternativ sollen die Landesstiftung, private Sponsoren und ein Solidaropfer des Kunstbereichs die 30 Millionen Euro aufbringen, die das Haus Baden zur Abwendung seiner Insolvenz benötigt. Der Kompromiss wird teuer - finanziell und nach der Kehrtwende auch politisch.

Bis zu 70 Millionen Euro Entschädigungszahlung sieht der Vergleich zwischen der Adelsfamilie und dem Land vor. Dafür würden die Markgrafen sämtliche Ansprüche an den Kulturgütern und den Handschriften abtreten, die 1918 das Land Baden ohne Klärung der Besitzfragen erhielt. Das Schloss Salem käme in eine Stiftung. „Der Vergleich ist fair, ja günstig für das Land“, sagte Ministerpräsident Günther Oettinger gestern noch einmal. Denn in den Museen seien auch wertvolle Gemälde und andere Schätze, die unstreitig dem Haus Baden gehören. Dies summiere sich mindestens auf die 70 Millionen, die im Vergleich vorgesehen sind.

Abgerückt ist die Regierung von dem Plan, das Geld durch den Verkauf von Handschriften aus den Beständen der Hofbibliothek zu finanzieren. Für die eilbedürftigen 30 Millionen Euro ist ein Drei-Säulen-Modell vorgesehen: Zehn Millionen soll die Landesstiftung abzweigen, eine ähnliche Summe erwartet sich Oettinger durch Spenden von Privaten und durch Sponsoren, die Kunstwerke kaufen und den Museen als Leihgabe überlassen. Das letzte Drittel müssen die Landesmuseen beisteuern, die zur Rettung der Handschriften Gegenstände veräußern oder auf Ankäufe verzichten sollen. Nur wenn das Modell nicht funktioniert, soll es zu Verkäufen aus den Beständen kommen. Oettinger betont, dass kein Geld aus dem Haushalt fließen wird. Unklar bleibt allerdings die Finanzierung der 30 Millionen Euro, die als Kapital für eine Stiftung vorgesehen sind.

„Die heftige Reaktion war absehbar, hat mich aber überrascht“, windet sich Oettinger angesichts der weltweiten Protesten gegen den zunächst geplanten Verkauf von Handschriften. Dass die Sache für die Regierung nicht optimal lief, gibt er zu: „Wir sind nicht fehlerfrei.“

Als „Irrweg“ kritisiert SPD-Oppositonschefin Ute Vogt die Pläne. Die Vorstellung, Mäzene würden für die Schulden des Hauses Baden aufkommen, sei naiv. Auch die Grünen lehnen das geänderte Finanzierungsmodell ab: „Die Grundhaltung der Landesregierung bleibt grundfalsch.“


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