Millionen-Investitionen in Ganztagsschulen

Stuttgart  Die grün-schwarze Landesregierung baut die Förderung von Ganztagsangeboten massiv aus und plant die nächsten Jahre Ausgaben in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro zusätzlich ein. Zudem sollen Schulleiter besser bezahlt und mehr entlastet werden.

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Millionen-Investitionen in Ganztagsschulen

Mittagessen an der Schule: Grün-Schwarz erhöht die Finanzmittel zur Förderung der Ganztagsbetreuung in den nächsten Jahren um insgesamt mehr als 60 Millionen Euro.

Foto: dpa

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will in der Kabinettssitzung heute zwei bildungspolitische Reformpakete auf den Weg bringen. Zum einen geht es um den Ausbau der Ganztagsschule, zum anderen um die Besserstellung von Schulleitern - beide Reformen wurden zwischen Grünen und CDU lange kontrovers diskutiert. Heute präsentiert Eisenmann die Vorhaben gemeinsam mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in Stuttgart. Der "Heilbronner Stimme" liegen beide Kabinettsvorlagen bereits vor.

Stufenweise Erhöhung der Investitionen

Das Kabinett will heute einen deutlichen Ausbau der Ganztagsschulen im Südwesten beschließen. Von 2020 bis zum Jahr 2023 sind hierfür mehr als 60 Millionen Euro zusätzlich vorgesehen. Die jährliche Förderung steigt von mehr als fünf Millionen Euro 2020 auf knapp 20 Millionen 2023. Gefördert werden sollen sowohl rhythmisierte Ganztagsschul-Konzepte als auch flexible Angebote. Weiter erhöht das Land im neuen Doppelhaushalt die Schulzuschüsse für Betreuungsangebote außerhalb des Unterrichts um zwölf Millionen Euro auf 170 Millionen Euro in den Jahren 2020 und 2021.

Beide Eltern sollen arbeiten können

Eisenmann nennt in der Kabinettsvorlage zwei Gründe, wegen derer sie die Ganztagsangebote an Schulen massiv ausbauen möchte. Zum einen müssten Frauen im Beruf besser gefördert werden. "In der heutigen Zeit sind Frauen so gut ausgebildet wie niemals zuvor. Dieses Potenzial sollte nicht ungenutzt bleiben", schreibt Eisenmann. So sei der Anteil von Frauen in Führungspositionen noch immer viel zu gering. Weiter sei es mit Blick auf den Fachkräftemangel generell wichtig, so vielen Menschen wie möglich die Teilhabe am Erwerbsleben zu ermöglichen. Zudem solle auch der Anreiz zur Familiengründung verbessert werden.

Nachfrage vor allem an Grundschulen

Laut einer gemeinsamen Erhebung von Kultusministerium und kommunalen Landesverbänden, die allerdings schon von November 2018 stammt, besuchten im Land rund 211 000 Grundschüler eine Ganztagsschule. Bei weiterführenden Schulen waren es etwa 92 000 Kinder und Jugendliche.

Grüne wollen gebundenes Modell

Damit bringt das Kabinett jetzt einen Kompromiss auf den Weg. Die Grünen präferieren das rhythmisierte Modell, das unter alten Regierung 2014 eingeführt wurde. Bei diesem besteht wöchentlich ein gleichbleibender zeitlicher Rahmen. Dieser soll Eltern eine Planbarkeit gewährleisten. Im Schuljahr 2018/2019 gab es im Südwesten alleine 422 öffentliche Grundschulen, die diesen gebundenen Ganztag angeboten hatten. Dies sind rund 18 Prozent aller öffentlichen Grundschulen. Eisenmann stellt im Doppelhaushalt 2020/2021 für rhythmisierte Ganztagsschulen nochmals je 50 Deputate zusätzlich bereit.

CDU setzt auf mehr Flexibilität

Die CDU macht sich hingegen für flexible kommunale Ganztagsangebote stark. Hier soll dem Elternwunsch bei der Ganztagsbetreuung entsprochen werden. Auch dieses Modell will Grün-Schwarz künftig mehr fördern.

Knapp 68 Millionen Euro zusätzlich

Weiter wird Eisenmann heute die Einigung bei der Stärkung der Schulleiter präsentieren. Laut der Kabinettsvorlage sieht Grün-Schwarz von 2020 bis 2023 Investitionen in Höhe von knapp 68 Millionen Euro vor. Im nächsten Jahr sind zunächst zusätzliche Ausgaben von rund 6,5 Millionen eingeplant. Der jährliche Betrag steigt ab 2021 auf jährlich mehr als 20 Millionen an.

Reinhart: CDU hat sich durchgesetzt

Höhere Besoldung, mehr Assistenzstellen und bessere Fortbildungsangebote sollen zu einer Besserstellung der Schulleiter führen. Kern des grün-schwarzen Streits war, ab welcher Schülerzahl Rektoren besser bezahlt werden sollen. Hier hat sich die CDU durchgesetzt. Deren Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart erklärt: "Die CDU-Fraktion hat sich dafür eingesetzt, dass alle Rektoren, auch die an kleinen Schulen mit weniger als 40 Schülern, die Besoldungsstufe A 13 mit Blick auf die vielfältigen Aufgaben eines Rektors erhalten. Das haben wir erreicht."


Kommentar: Zentrale Reformen

Die Landesregierung räumt zwei bildungspolitische Themen ab, über die monatelang gestritten wurde. So ist der Ausbau der Ganztagsschulen von zentraler Bedeutung. Hier geht es darum, dass beide Eltern arbeiten können - während ihr Kind in den Schulen ganztags gut betreut wird. Gerade in Zeiten von Unterrichtsausfall und Lehrermangel wird es aber immer schwieriger, den Schultag kontinuierlich so zu verlängern, dass Kinder bestmöglich gefördert werden.

Streit über zwei Modelle

Grüne und CDU haben sich allerdings viel zu lange bei der Wahl des richtigen Modells verhakt. Ist der von den Grünen präferierte, rhythmisierte Ganztag sinnvoller? Oder doch das komplett flexible Modell der CDU? Unter dem Strich können diese Entscheidung nur die Kommunen vor Ort treffen. Sie wissen, welchen Bedarf es gibt. Allerdings kennt die Flexibilität auch ihre Grenzen. Zum einen kann nicht Woche für Woche der Unterricht neu organisiert werden. Zum anderen müssen die Kommunen selbst Betreuungsangebote außerhalb der Schulstunden mit Vereinen oder Eltern organisieren. Nur wenn dies gelingt, wird die Ganztagsschule auch langfristig angenommen.

Richtung stimmt

Eine weitere Einigung erzielte Grün-Schwarz bei der Besserstellung von Rektoren. Diese ist nötig, weil es immer weniger Pädagogen gibt, die sich Leitungsfunktionen zutrauen. Dies zeigt die anhaltend hohe Zahl offener Schulleiter-Stellen. Ob jedoch ein höheres Gehalt und mehr Entlastung durch Assistenten dazu beitragen, dass mehr Lehrer in Führungspositionen streben, bleibt abzuwarten. Die Reform geht aber in die richtige Richtung.


Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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