Laute Proteste gegen Rekruten-Gelöbnis

Demonstration mit roten Fahnen, Trommeln und Sprechchören am Neuen Schloss

Von Peter Reinhardt
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Polizisten drängen in der Stuttgarter Innenstadt Demonstranten ab, die das feierliche Gelöbnis von Rekruten der Bundeswehr stören wollen. Etwa 1000 Beamte sichern die Vereidigung.Foto: lsw

Stuttgart - Weiträumig ist der Stuttgarter Schlossplatz abgesperrt, überall sind Polizisten postiert. Die Straßencafés mussten ihre Tische wegräumen, die umliegenden Ladenbesitzer haben die Rollgitter schon Stunden vor der feierlichen Gelöbnisfeier für 650 Rekruten heruntergelassen. Dann lockert die Einsatzleitung die scharfen Sicherheitsmaßnahmen schon vor Beginn der Feier. Die Polizei spricht von 500 Friedensdemonstranten.

Große Erwartungen hatten das Bündnis "Gelöbnix", die Linkspartei und die Jugendorganisationen von SPD sowie Grünen geweckt. Sie wollten das Gelöbnis im Ehrenhof des Stuttgarter Neuen Schlosses verhindern oder wenigstens verzögern. "Es gibt in Baden-Württemberg keinen repräsentativeren Ort", erklärte Ministerpräsident Stefan Mappus das Motiv. Gleich zwölf Kundgebungen mit 7000 Teilnehmern hatten die Friedensaktivisten angemeldet, berichtet Stuttgarts Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU). Aber selbst die 1000 Demonstranten, die ein "Gelöbnix"-Sprecher angibt, halten der Realität nicht stand.

Festnahmen Um die Mittagszeit löst die Polizei eine Sitzblockade vor der Eberhardskirche auf. Die Aktivisten wollten den Zugang zu dem Gottesdienst verhindern, der für die Rekruten und ihre Familien angesetzt ist. Etwa 60 Demonstranten werden vorübergehend festgenommen. Einer hatte ein Messer dabei. Im Dom predigt der Pfarrer ungestört über das Boot des Lebens. "Alle müssen rudern und steuern, der Rekrut ist genauso gefordert wie der Kommandeur und der General", gibt er den jungen Soldaten mit auf den Weg.

Vom Gelöbnis im Schlosshof sind die übrig gebliebenen Demonstranten weiträumig ferngehalten. Mit Trommeln, Trillerpfeifen und Fanfaren machen sie mächtig Lärm und können die Feier doch nicht entscheidend stören. In seiner Rede betont Mappus: "Die Bundeswehr gehört in die Mitte von Staat und Gesellschaft." Das sollten auch die akzeptieren, "die hier demonstrieren". Die Soldaten würden die Demokratie verteidigen, die solche Demonstrationen garantiere. Verbohrter Nationalismus und Militarismus hätten keine Chance in der Bundeswehr. Mappus erinnerte daran, dass nebenan im Alten Schloss Claus Schenk Graf von Stauffenberg, die treibende Kraft des militärischen Widerstands gegen das Nazi-Regime, aufgewachsen ist.

Es war das erste öffentliche Gelöbnis in Stuttgart seit 1999. 2009 hatte es bei der zentralen Zeremonie für bayerische und baden-württembergischen Standorte auf dem Münchner Marienplatz noch massive Störungen geben. Dieses Jahr haben die Friedensaktivisten allerdings nicht nur in Stuttgart Probleme mit der Mobilisierung. Vor der Gelöbnisfeier am 20. Juli vor dem Reichstag in Berlin sagte die Deutsche Friedensgesellschaft die angekündigte Demonstration sogar ab.


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