Haus Baden droht mit Ausverkauf

Adelsfamilie verschärft den Streit mit dem Land

Von Martin Oversohl
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Bernhard Prinz von Baden steht mit den Schlüsseln für das Schloss vor Salem. Der Erbe des badischen Besitzes liebäugelt nun mit einem Teilverkauf der Anlage, um die hohen Schulden zu tilgen.Foto: dpa

Schulden - Die meisten Fakten liegen auf dem Tisch, die Zahlen sind bekannt. Dennoch: Im millionenschweren Streit um Schloss Salem und die badischen Kunstschätze stehen sich das Land Baden-Württemberg und das Haus Baden so unversöhnlich gegenüber wie selten zuvor. Die Adelsfamilie erhöht den Druck und droht offen mit einer Zerstückelung und dem Verkauf des historischen Schlossensembles, falls das Land nicht die aufgelaufenen Kosten der Sanierung übernimmt. Im Gegenzug bietet sie Kunstschätze, deren Eigentum das Land aber zum Teil bereits für sich reklamiert.

Gutachten Drei neue Gutachten stärken die jeweiligen Positionen und machen wenig Hoffnung auf eine schnelle Einigung. Eines davon, dessen Inhalt schon den Weg in die Öffentlichkeit fand, wird am Dienstag offiziell vorgestellt. Darin bestätigen Experten den Anspruch des Landes auf einen Großteil der Handschriften, Gemälde und Skulpturen. Die Studie war im Auftrag der Regierung erstellt worden.

„Es liegt alles vor uns, wir müssen jetzt handeln“, fordert Bernhard Prinz von Baden. Er droht seit längerem damit, aus finanziellen Gründen Schloss Salem zu verkaufen. Der 37-Jährige erklärt sich aber bereit, den historischen Besitz in eine gemeinnützige Stiftung einzubringen, falls das Land ihm doch finanziell unter die Arme greift. Die Position seines Hauses sieht der Generalbevollmächtigte des Hauses Baden deutlich gestärkt durch zwei eigene Gutachten; sie kommen zu dem Schluss, dass der Stammsitz „nicht wie zuvor auf Dauer finanziert werden kann“.

Eine Immobilienstudie schätzt den Verkaufswert des ehemaligen Zisterzienserklosters ohne Hauptgebäude und Münster auf rund 42 Millionen Euro. Wirtschaftsprüfer führen in einer weiteren Studie zudem die Belastungen auf, die der Markgrafenfamilie aus dem Denkmalensemble Salem entstehen. Bereits seit Anfang der 1990er Jahre hätten diese „bei weitem die denkmalrechtlichen Zumutbarkeitsgrenzen für das Haus Baden“ überschritten, heißt es darin.

Nach Ansicht des Erbprinzen lassen die Zahlen erkennen, dass sein land- und forstwirtschaftlich geprägtes Unternehmen die Kosten nicht finanzieren kann. Insgesamt soll die Familie bislang rund 30 Millionen Euro Schulden durch Salem angehäuft haben. Das Moratorium der Banken, bei denen die Familie in der Kreide steht, läuft zum Jahresende aus. Nun sei das Land gefragt, schließlich handele es sich beim Schloss auch um ein bedeutendes Kulturdenkmal. Und zudem unterhalte das Land ja auch andere Staatsschlösser wie Schwetzingen und Ludwigsburg.

Die Landtags-Opposition sieht die beiden neuen Gutachten des Hauses Baden skeptisch. So meint Jürgen Walter von den Grünen: „Wir haben diese Gutachten mit Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen.“ Ebenso wie die Grünen fordert die SPD eine neue und unabhängige Studie. Außerdem sei das Land nicht für die Altschulden des Hauses Baden verantwortlich.


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