Ärger um Affenhaus nach Tod von Bonobobabys

Stuttgart  Das 2013 in der Wilhelma eröffnete Affenhaus weist erhebliche Baumängel auf. Spezialisten versuchen herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Bau und den zwei an Lungenentzündung verstorbenen Affenbabys gibt.

Von unserem Korrespondenten Michael Schwarz
Email

 

Im Mai 2013 war Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid (SPD) bei der offiziellen Eröffnung des Affenhauses in der Stuttgarter Wilhelma noch zu Scherzen aufgelegt. "Der Bau eines Affenhauses ist nicht so etwas triviales wie der Bau eines Polizeireviers", sagte Schmid bei der Feier über das 22-Millionen-Euro-Projekt, bei dem das Land mit rund 12,5 Millionen Euro beteiligt ist.

Doch 21 Monate später ist in der Wilhelma die Freude über die neue Heimat der Affen längst verflogen. Das Gebäude hat erhebliche Mängel. Bereits zwei Bonobobabys sind an einer Lungenentzündung gestorben: Koseka Anfang des vergangenen Jahres, Alima vor wenigen Wochen. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Erkrankung der Tiere mit einem Defekt in den Lüftungsklappen zusammenhängt.

Zugig

Die Pfleger bemerkten schon länger, dass es im Affenhaus hin und wieder sehr zugig ist. Bekannt ist, dass gerade Bonobos anfälliger sind für Atemwegserkrankungen als andere Menschenaffen. Im Augenblick versuchen Spezialisten herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen der Anlage und den beiden Todesfällen gibt. Sicher ist jedoch, dass die Zahl der Erkältungen unter den Tieren nach dem Umzug 2013 zugenommen hat.

"Ich appelliere dringend, hier Abhilfe zu schaffen", sagt Georg Fundel, Vorsitzender des Wilhelma-Fördervereins, der damals 9,5 Millionen Euro in das Affenhaus investierte. "Es darf nicht noch ein dritter oder vierter Affe sterben", so Fundel. Aktuell leben 14 Bonobos und 13 Gorillas in dem Gebäude. Als momentan am stärksten gefährdet gelten die beiden Bonobo-Babys, die sich darunter befinden.

Imageschaden befürchtet

Der Stuttgarter Landtagsabgeordnete Reinhard Löffler (CDU) verlangt, schnellstmöglich aktiv zu werden. "Wir können hier nicht einfach Tiere sterben lassen", sagt er. Löffler befürchtet einen Imageschaden für den Zoo. Vom Stuttgarter Finanzministerium, dem die Wilhelma untersteht, fordert Löffler "die Einsetzung eines Sachverständigen". Er selbst sei wegen der hohen Investition des Landes - Löffler spricht von einer "Luxusinvestition" - immer skeptisch gewesen.

Doch neben den Problemen bei der Lüftungsanlage gibt es im Affenhaus noch weitere Mängel. So bröckelt an einigen Stellen der Belag auf dem Betonboden ab. Jetzt befürchten die Verantwortlichen, die Tiere könnten die abgebrochenen Reste fressen. Zudem funktionieren die Kameras nicht richtig. Über die Bildschirme sehen die Pfleger, wo sich die Tiere befinden. Da die Kameras teilweise ausfallen, müssen sich die Pfleger vorsichtig vortasten, was nicht ungefährlich ist. Zudem müssen sie beim Öffnen der Türen darauf achten, dass sie nicht aus Versehen die Gliedmaße der Menschenaffen einquetschen.

Vorfälle prüfen

Im Stuttgarter Finanzministeriums will man wieder für Ruhe sorgen. "Bei der Abnahme sind keine Mängel aufgefallen", sagt eine Sprecherin. Zuständig für den Bau ist die dem Ministerium untergeordnete Hochbauverwaltung des Landes. Im Augenblick sei man daran, die Vorfälle "Schritt für Schritt zu prüfen", so die Sprecherin weiter. Das Gleiche gelte für mögliche Schadenersatzansprüche gegen am Bau beteiligte Firmen.

Die Schwierigkeiten bei der Lüftung standen schon auf der Mängelliste, die Wilhelma-Zoodirektor Thomas Kölpin vor einem Jahr bei seinem Antritt übernahm. "Vermutlich wurde das Problem bei der Planung nicht durchdacht", sagt er. Eine Sache wurde laut Kölpin bereits geändert: Die Lüftungsanlage wird nicht mehr automatisch, sondern nur noch manuell betrieben.


Kommentar hinzufügen