Niederstotzingen kann Archäopark nicht mehr finanzieren

Niederstotzingen (dpa/lsw)  In Baden-Württemberg liegen sechs Stätten, die in die Unesco-Welterbeliste eingetragen sind. Einer davon geht das Geld aus. Die Stadt Niederstotzingen ruft um Hilfe.

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Ein Weg führt in Niederstotzingen durch den Archäopark.

Die 4750 Einwohner zählende Stadt Niederstotzingen kann die Unesco-Welterbestätte «Archäopark Vogelherd» nicht mehr finanzieren. «Ohne eine langfristige Unterstützung durch das Land Baden-Württemberg ist ein Weiterbetrieb der Einrichtung nicht mehr möglich», beschloss der Gemeinderat am Mittwochabend. Die Vogelherdhöhle gehört zum Welterbe-Ensemble «Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb».

Die Stadt fordert, dass der Archäopark als zentrales Besucher- und Informationszentrum im Rahmen der Baukosten gefördert wird. Das Land solle Verantwortung übernehmen und die laufenden Betriebskosten des Archäoparks Vogelherd dauerhaft finanzieren. «Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir an die Grenze der finanziellen Belastbarkeit gekommen sind», sagte Bürgermeister Marcus Bremer am Donnerstag.

Der Archäopark Vogelherd wurde bisher durch regionale Unterstützer gefördert. «Mit Ablauf der Haushaltsjahre 2021 und 2022 werden umfangreiche Förderungen enden. Das bedeutet in Summe 150 000 Euro weniger Erträge beziehungsweise weniger Einzahlungen im kommunalen Haushalt der Stadt», heißt es in dem einstimmig beschlossenen Beschlussantrag der Stadt. Ein Weiterbetrieb des Archäoparks sei nicht mehr zu verantworten. Eine Unterstützung des Landes kann aus Sicht von Bremer durch eine Übernahme von Grundstück, Gebäude und Betrieb in das Landeseigentum - beispielsweise in die Staatlichen Schlösser und Gärten - erfolgen.

Das Wirtschaftsministerium betonte, dass der Landtag im Rahmen des Nachtragshaushalts 2020/2021 beschlossen habe, einmalig jeweils 100 000 Euro für die Jahre 2020 und 2021 für laufende Ausgaben und Investitionen zur Verfügung zu stellen. «Das ist eine einmalige Zahlung. Wir brauchen eine langfristige Lösung», sagte Bremer dazu. Auf Dauer ausgelegte Betriebskostenzuschüsse für kommunale Vermittlungseinrichtungen zum Welterbe können nach Informationen der Ministeriumssprecherin vom Land nicht getragen werden. Eine Überführung ins Landeseigentum ist nach Bremers Worten die schlüssigste Lösung. Nur dann bestehe Sicherheit.

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch sagte: «Wer diesen Alarm überhört, ist taub.» Für das Land wäre der Betrieb des Archäoparks ein Klacks, sagte Stoch. Einer kleinen Stadt wie Niederstotzingen mit gerade mal 4700 Einwohnern breche das das Genick. «Es ist auch ein Affront gegen all die Unterstützer und Sponsoren vor Ort. Und niemand kann mir erklären, warum das Land sich so standhaft weigert, hier auch nur moderate Summen auszugeben. Hier geht es um ein Welterbe und nicht um ein Heimatmuseum.»

Seit Jahren werde gemahnt, gebeten, geworben und manchmal sogar gebettelt. Nun sei es an der Zeit, zu fordern, sagte Stoch. «Entweder das Land legt einen Masterplan für das Welterbe Eiszeitkunst vor, übernimmt Verantwortung und bewahrt Kommunen wie Niederstotzingen vor dem Ruin, oder es setzt sein Welterbe aufs Spiel. Dass das Land sich mit der Eiszeitkunst schmückt, die Lasten aber fast vollständig anderen überlassen will, ist ein Skandal.»

In Baden-Württemberg gibt es sechs Kulturstätten, die den Titel Welterbe führen dürfen: das Kloster Maulbronn, die Klosterinsel Reichenau, der Obergermanisch-Rätische Limes, die Pfahlbauten am Bodensee, zwei Häuser des Stararchitekten Le Corbusier in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung und sechs «Höhlen der ältesten Eiszeitkunst» auf der Schwäbischen Alb.


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