Eine Art Elbphilharmonie für Stuttgart? Neues Konzept

Stuttgart (dpa/lsw)  Erst vor kurzem hat der Gemeinderat in Stuttgart grünes Licht für die Sanierung der Staatsoper gegeben - trotz horrender Kosten. Bleibt da noch Geld für ein neues Konzerthaus?

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Die Idee ist schon ein paar Jahre alt: Die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart braucht aus Sicht von Musikern, Konzertveranstaltern und Prominenten ein neues Konzerthaus, weil die Liederhalle in die Jahre gekommen ist und den gestiegenen Ansprüchen nicht mehr genügt. Nun hat der Verein Konzerthaus Stuttgart mit Geldern der Stadt am Dienstag eine «standortunabhängige Nutzungskonzeption» vorgelegt, die mit der Münchner Beratungsfirma actori erarbeitet wurde. Sie sammelt die Argumente für den Bau eines solchen Hauses. Klar ist für die Initiatoren: «In Stuttgart fehlt eine Musikveranstaltungsstätte mit Leuchtturm-Charakter auf internationalem Niveau.»

Die heiklen Fragen der Kosten und des genauen Standorts werden in der Konzeption ausgespart. Allerdings will die Initiative als nächstes eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, bei der auch der Standort eingeengt werden soll, erklärte eine Sprecherin. Hierfür müsse der Gemeinderat aber erst noch das Geld freigeben. Erst danach sei es möglich, die Kosten für das Konzerthaus in etwa zu veranschlagen. Klar sei, dass es um einen dreistelligen Millionenbetrag gehe.

Der Vereinsvorstand besteht aus Gernot Rehrl, früherer Intendant der Bachakademie, dem SWR-Orchestermanager Felix Fischer und Ralf Püpcke, Gründer und Inhaber der Agentur Püpcke Kulturmanagement. In der Mitteilung zum Konzept heißt es: «Es ist die Vision von einem kulturellen Kraftwerk und Herzstück mitten in Stuttgart: ein nachhaltiges städtebauliches Vorzeigeprojekt, ganztägig geöffnet für alle Generationen und Schichten. Eine Bildungseinrichtung ebenso wie ein Produktionszentrum und eine Spielstätte für ein exquisites Konzertprogramm sämtlicher musikalischen Genres von Klassik bis HipHop.»

Die Initiatoren sind sich einig, dass der Standort von zentraler Bedeutung ist. In der Diskussion seien bisher Standorte um den Hauptbahnhof, im Rosensteinquartier, um die Liederhalle und direkt am Neckar gewesen. «Der Standort sollte genügend öffentlichen Raum für die inhaltliche Ausrichtung als lebendiges Musikzentrum mit herausragender Architektur bieten, und das in einer gut erreichbaren und zentralen Lage.» Der Zeitplan sieht vor, dass ab 2022 ein Grundsatzbeschluss im Stuttgarter Gemeinderat und eine Entscheidung für einen Standort angestrebt wird.

Die Frage ist allerdings, ob sich Stuttgart ein solches Konzerthaus leisten kann, nachdem der Gemeinderat erst vor kurzem der Sanierung des denkmalgeschützten und maroden Opernhauses grundsätzlich zugestimmt hat. Zwar wollen sich Stadt und Land die Kosten teilen, aber das Vorhaben soll womöglich mehr als eine Milliarde Euro kosten. Trotz allem unterstützen zahlreiche Prominente wie der frühere Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche oder der ehemalige VfB-Stuttgart-Präsident Erwin Staudt die Idee eines neuen Konzerthauses.

© dpa-infocom, dpa:211005-99-487051/3


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