Theater bringt Euthanasie-Drama auf die Bühne

Memmingen (dpa)  Nach der Verfilmung des Buches «Nebel im August» wird die Geschichte um das kurze Leben und das Sterben des NS-Opfers Ernst Lossa zum Theaterstück. Die Uraufführung des Dokumentarschauspiels ist am Freitag (20.00 Uhr) in Memmingen geplant.

Kathrin Mädler
Intendantin Kathrin Mädler. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Archiv

Bis Juni soll das Stück nicht nur im Allgäu gezeigt werden. Wie das Landestheater Schwaben mitteilte, sind Gastspiele unter anderem in Fürth und im osthessischen Fulda geplant. Intendantin Kathrin Mädler wird das von John von Düffel geschriebene Stück inszenieren.

Vorlage ist die Romanbiografie des Autors Robert Domes aus Kaufbeuren. Er hatte zu Ernst Lossa recherchiert und dessen Leidensgeschichte bekannt gemacht. Der aus Augsburg stammende Lossa war als 14-Jähriger von den Nazis während des sogenannten Euthanasie-Programms im ehemaligen Kloster Irsee ermordet worden. Im Jahr 2016 wurde die Geschichte im Kinofilm «Nebel im August» erzählt.

Das Theaterstück widmet sich nun mit dem Untertitel «Der Fall Ernst Lossa vor Gericht» der juristischen Aufarbeitung des Mordes an dem Kind. Ausgangspunkt ist der Prozess 1949 in Augsburg gegen den verantwortlichen Klinikchef. Das Landestheater will mit der Produktion zeigen, wie weit der Nazi-Terror in die Region reichte. «Die Stationen von Ernst Lossas Leben (Augsburg, Markt Indersdorf, Kaufbeuren und Irsee) zeigen, wie sehr seine Geschichte auch Teil der schwäbischen Vergangenheit ist», betonte die Bühne.

Ergänzend zu den Aufführungen gibt es ein Begleitprogramm von dem Theater und dem Bildungswerk in Kloster Irsee. Dort ist am 20. und 21. April auch ein Seminar geplant, in dem die Patientenmorde während der NS-Diktatur umfassend aufgearbeitet werden sollen. Nach Schätzungen wurden damals bei dem Massenmord mehr als 200 000 behinderte und kranke Menschen umgebracht.