Künstler sollen Container-City in Stuttgart räumen

Stuttgart (dpa/lsw)  Die Stadt Stuttgart und das Land freuen sich über einen Durchbruch bei der Suche nach einer Übergangsspielstätte für die sanierungsbedürftige Oper. Doch das Vorhaben zerschlägt auch Hoffungen in einem etablierten Künstlerdorf.

Container-City
Container stehen in der "Container-City" des Kunstvereins Wagenhalle e.V. Foto: Marijan Murat  

Für die mögliche Ausweichspielstätte der sanierungsbedürftigen Oper Stuttgart wird wohl das Künstlerdorf an der Wagenhalle in der Landeshauptstadt weichen müssen. Es habe die Hoffnung gegeben, dass die inzwischen etablierte Container-City mit ihren Werkhöfen erhalten werden könne, sagte die Künstlerin Sylvia Winkler vom Vorstand des Kunstvereins Wagenhalle. Die Stadt favorisiert den Standort in dem ausgewiesenen Kulturschutzgebiet von 2024 an als Ersatzort für die Oper Stuttgart und das Ballett für die Zeit der Gebäudesanierung im Schlossgarten. Entschieden ist das aber noch nicht. Stadt und Land prüfen das Vorhaben derzeit.

Nach Darstellung des Kunstvereins ist der Bedarf groß genug, die Container auch künftig als Ateliers zu nutzen. «Wir haben eine lange Warteliste mit Künstlern, die etwas suchen», sagte Kunstvereinschef Robin Bischoff. Mehr als 100 Container seien in Nutzung, zudem zwei Waggons und Werkhöfe. «Hier haben sich nachhaltige Projekte für die Stadt entwickelt.»

Geplant ist aber, dass die Künstler im kommenden Jahr in die sanierte Wagenhalle umziehen. Ein Sprecher der Stadt sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass die Künstler die Container dann wieder verlassen müssten. «Das ist die glasklare Vereinbarung», sagte der Stadtsprecher. Auf der dann freien Fläche könnte die Übergangsspielstätte entstehen. Die Container-City wurde beim Deutschen Städtebaupreis in diesem Jahr mit einer Belobigung gewürdigt.

«Neben künstlerischen Nutzungen gibt es soziokulturelle Projekte mit Verbindungen in das umliegende Quartier, wie urbane Gemeinschaftsgärten, Selbsthilfe-Werkstätten oder eine Quartiersküche für gemeinschaftliche Kochaktionen», heißt es auf der Internetseite des Deutschen Städtebaupreises 2018. In dem Container-Dorf hätten die Künstler Pionierarbeit geleistet. Es gebe Angebote rund um Bildung, Nachbarschaft und Nachwuchsförderung.

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hatte am Dienstag eine Analyse zu 17 Standorten in der Landeshauptstadt präsentiert. Das Gelände an der Wagenhalle in der Nähe des Nordbahnhofs ging bei der Untersuchung der städtischen Taskforce als Favorit für ein Operninterim hervor. Dort könnten Spiel- und Produktionsstätte an einem Ort entstehen.

Landtagsabgeordnete der grün-schwarzen Koalition, die im Verwaltungsrat des Staatstheaters sitzen, begrüßten die Initiative. Die finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Thekla Walker, lobte an dem Vorschlag die mögliche nachhaltige Nutzung der Interimsspielstätte aus einem Neubau und wieder verwertbaren Provisorien.