Dauerschau für Ulms «größten Sohn»: Ehrung für Einstein

Ulm (dpa/lsw)  Vieles in Ulm erinnert an Albert Einstein. Nun stiftet seine Geburtsstadt dem jüdischen Physikgenie noch eine Dauerausstellung. Doch manche träumen von etwas noch viel Größerem.

Von Thomas Burmeister, dpa

Miniaturdarstellung von Albert Einstein in Ulm
Miniaturdarstellung von Albert Einstein auf dem Münsterplatz in Ulm.

Der Schöpfer der Relativitätstheorie soll in seiner Geburtsstadt Ulm mit einer Dauerausstellung geehrt werden. Für die Einrichtung der Schau «Albert Einstein und seine Ulmer Familie» stellt die Donaustadt ein wertvolles altes Gebäude und rund eine Million Euro sowie jährliche Folgekosten von 300 000 Euro zur Verfügung. Das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, wie Stadtsprecherin Marlis Gildehaus Mittwochabend mitteilte.

Wenn alles nach Plan läuft, soll die Ausstellung im 600 Jahre alten Haus «Engländer» gegenüber der Neuen Synagoge und unweit des Ulmer Münsters mit dem höchsten Kirchturm der Welt Anfang 2022 eröffnet werden. Rechtzeitig zum 100. Jahrestag der Verleihung des Nobelpreises für Physik an den Mann, den viele Ulmer als den «größten Sohn der Stadt» ansehen.

Freilich gibt es beim Thema Einstein und Ulm durchaus mehr als nur einen Wermutstropfen: Das Physikgenie wurde zwar 1879 in der Schwabenmetropole an der Donau geboren. Aber Albert war noch ein Kleinkind, als seine Eltern mit ihm nach München zogen. Zudem sah sich Einstein angesichts der Judenverfolgung seit der Machtübernahme Hitlers 1933 gezwungen, seiner Heimat den Rücken zu kehren und in die USA zu gehen.

Noch im selben Jahr wurde die Ulmer Einsteinstraße in Fichtestraße umbenannt - was nach dem Ende der Naziherrschaft flugs wieder rückgängig gemacht wurde. In Ulm erinnert heute weit mehr als der Straßenname an den Physiker - vom Einstein-Denkmal, über den Einstein-Brunnen bis zur Volkshochschule im Einsteinhaus.

Dass manchmal moniert wird, das Genie habe lediglich 15 Monate in der Stadt seiner Geburt verbracht, nimmt man dort gelassen hin. Professor Michael Wettengel, Direktor des Stadtarchivs, verweist Kritiker darauf, dass Einstein immer wieder Interesse an Ulm bekundet habe. Nachzulesen unter einem in einem Brief von 1929, den die Stadt 2017 erworben hat: «Auch der Geburtsstadt verdanken wir einen Teil unseres Wesens», schrieb Einstein. «So gedenke ich Ulm in Dankbarkeit, da es edle künstlerische Tradition mit schlichter und gesunder Wesensart verbindet.» Zudem unterhielt Einstein enge Beziehungen zu Verwandten und Freunden in Ulm, vielen verhalf er zur Flucht vor den Nazis.

Daran knüpft das Konzept der Dauerausstellung an: «Die Geschichte der Ulmer Einsteins ist zugleich die Geschichte des schwäbisch-jüdischen Bürgertums im 19. und 20. Jahrhundert», heißt es in der Mitteilung des Gemeinderates. Die Ausstellung werde nicht einfach die Lebensgeschichte Einsteins nacherzählen, «sondern ein Bild jüdischen Lebens bis zu seiner Vernichtung im Nationalsozialismus zeichnen».

Der «Engländer» - einst gab es dort die Gastwirtschaft «Zum König von England» - scheint dafür bestens geeignet zu sein. Er war Wohn- und Arbeitsstätte für Einsteins engste Verwandte. Nicht weit entfernt stand sein Geburtshaus, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Im «Engländer» befand sich die Bettfedernhandlung «Israel & Levi», an der Einsteins Vater beteiligt war. Dort wohnten seine Großmutter Helene und auch Elsa Einstein, seine Cousine und zweite Ehefrau.

Möglicherweise wird die Ausstellung im «Engländer» irgendwann einmal durch ein weit größeres Projekt getoppt: Seit Jahren sammelt ein Förderverein weltweit Mittel für ein mehrstöckiges «Albert Einstein Discovery Center» gleich neben dem Hauptbahnhof. Geschätzte Kosten: 40 bis 50 Millionen Euro. Den cleveren Slogan der Kampagne liest man unter anderem auf T-Shirts: «Albert-Einst-Ein-Ulmer».


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