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VfB Stuttgart will gegen Köln den Kessel brennen lassen

Bosse und Profis der Stuttgarter setzen auf die enorme Fan-Power, um am letzten Bundesliga-Spieltag gegen den 1. FC Köln die direkte Rettung zu schaffen. Theoretisch ist jedoch auch der direkte Abstieg noch möglich.

Andreas Öhlschläger
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VfB Stuttgart will gegen Köln den Kessel brennen lassen
Zärtliche Anerkennung: VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo umarmt den Stuttgarter Abwehrchef Waldemar Anton nach dem 2:2 beim FC Bayern München. Foto: dpa  Foto: Matthias Balk

Seinen Stürmerjob hatte Sasa Kalajdzic erledigt, ein Tor geschossen. Jetzt musste er als Dauerredner ran. Von Interview zu Interview wurde er nach dem 2:2 des VfB Stuttgart beim FC Bayern München durchgereicht. In seinem Rücken lief die Meisterschalen-Übergabe, es dröhnte und lärmte gewaltig in der Allianz Arena. Sprechen? Nun ja, es war mehr ein Schreien.

Aber die Stimmkraft reichte. Die Muskelkräfte hatten Kalajdzic hingegen im Spiel verlassen. Er musste leicht humpelnd ausgewechselt werden. Egal. Jetzt ist für den VfB sogar noch der direkte Bundesliga-Klassenerhalt möglich, Platz 15 nach dem letzten Spieltag.

Kalajdzic sieht VfB als "gefühlte Wundertüte"

Groß ist die Chance nicht, Hertha BSC noch zu überholen, aber es gibt sie. "Warum nicht? Träumen ist erlaubt", schrie Sasa Kalajdzic ins Mikrofon. "Wenn irgendjemand so ein Ding schaffen kann, dann wir. Denn wir sind irgendwie so eine gefühlte Wundertüte."

Für die Rettung ohne Relegations-Nervenkampf ist ein Heimsieg gegen den 1. FC Köln unabdingbar nötig. "Da müssen wir einfach weiter dran glauben", sagte Waldemar Anton. Es geht darum, am kommenden Samstag die eigenen Stärken auf den Platz zu bekommen. Der VfB-Abwehrchef ist zuversichtlich, kennt den besonderen Leistungsbooster durch die Cannstatter Kurve. "Mit unseren Fans im Rücken", da sei viel möglich.

Stuttgarter benötigen Schützenhilfe aus Dortmund

Allerdings sind die Stuttgarter auch auf fremde Hilfe angewiesen. Der Tabellen-Viertletzte Hertha - mit aktuell drei Punkten mehr auf dem Konto - müsste im Parallelspiel bei Borussia Dortmund leer ausgehen. "Ich bin mir sehr sicher, dass die Dortmunder das ernst nehmen werden", sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat, der frühere Chefscout des BVB. "Das sind ja meine alten Jungs. Vielleicht haben sie noch Herz übrig für mich, den kleinen Dicken."

Waldemar Anton setzt beim VfB auf dieselbe Leidenschaft, die das 2:2 in München ermöglicht hat. "Gefightet und gelaufen", das sei das Erfolgsrezept gewesen. "Wenn wir vielleicht ein bisschen Glück haben", dann sei sogar der Sieg möglich gewesen.

Mislintat beschwört Gemeinschaft

Beim FC Bayern wären drei Punkte der Bonus gewesen. Im Duell mit dem 1. FC Köln sind sie Pflicht, soll ein schnelles Stuttgarter Klassenerhalts-Happy-End gelingen. Es gehe nun darum, "dass wir unsere Hausaufgaben machen", sagte Anton. "Am Ende gucken wir, was daraus wird."

Sven Mislintat setzt auch auf die immense Fan-Power, die es in der Mercedes-Benz-Arena zuletzt schon gab. "Ich bin mir sicher, dass unser Stadion ausflippt, mit jedem Zweikampf, den wir gewinnen." Zwar sei der 1. FC Köln ein starker Gegner, habe eine "Monstersaison gespielt", aber man könne allemal was erreichen, "wenn wir da als Gemeinschaft, 60.000, alle Mann, ein Zeichen senden". Es gehe darum, "unseren Kessel brennen zu lassen".

Orel Mangala als Stabilisator

Mislintat schaute auch noch mal schnell nach unten, auf Arminia Bielefeld, den Vorletzten. Aber der Sportdirektor des VfB Stuttgart machte dann einen Haken dran. Dass die Arminia die Schwaben am letzten Bundesliga-Spieltag noch direkt in die 2. Liga schicken kann, ist durch den Punktgewinn beim 2:2 extrem unwahrscheinlich geworden. Zu groß ist der VfB-Vorsprung. "Drei Punkte und ein deutlich besseres Torverhältnis nach unten sind natürlich auch extrem was wert."

Für Trainer Pellegrino Matarazzo gab es ein Extralob vom Sportdirektor. Nach dem 1:2-Rückstand zur Pause sei genau das Richtige geändert worden. "Die Umstellung hat hervorragend funktioniert." Durch die Einwechslung von Orel Mangala habe man "mit drei Sechsern" mehr Kontrolle bekommen. "Das hat uns ganz viel Zugriff gegeben, viel mehr Ballbesitz."

Extralob für Florian Müller

In der ersten Halbzeit sei die Mannschaft nach dem frühen Führungstor durch Tiago Tomás schnell "zu tief in der eigenen Hälfte" gestanden, meinte Matarazzo. Es fielen die beiden Gegentore. "Wir mussten leiden."

Aber die ganz große Stuttgarter Leidensgeschichte gäbe es, sollte der VfB absteigen. Die direkte Rettung am letzten Spieltag ist deshalb eine sehr reizvolle Perspektive. Was wohl drinsteckt in der Wundertüte?

Dass der VfB Stuttgart beim FC Bayern ein 2:2 erreichte, lag ganz wesentlich am diesmal sehr starken Torwart Florian Müller. "Mich freut das total", sagte Sportdirektor Sven Mislintat. "Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie mir das auf den Sack gegangen ist, was über den Flo alles in den sozialen Medien und überall geschrieben wird. Flo ist ein absolut super Keeper. Der hat sich kaum einen selber reingeschmissen dieses Jahr." Nun in München habe er sogar "Sensationsparaden" gezeigt.

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