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Matarazzo muss vor dem Wolfsburg-Spiel als Psychologe überzeugen

Schafft es der Trainer des VfB Stuttgart, seine Mannschaft nach dem 0:2-Rückschlag bei der Hertha wieder aufzurichten? Am Samstag ist der Sturz auf Platz 17 möglich.

Andreas Öhlschläger
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Lesezeit 2 Min
Matarazzo muss vor dem Wolfsburg-Spiel als Psychologe überzeugen
Fingerzeige des VfB-Trainers. Pellegrino Matarazzo sagt vor dem wichtigen Samstagnachmittag-Heimspiel des Tabellen-Drittletzten aus Stuttgart gegen den VfL Wolfsburg: "Ich bin überzeugt, dass wir die Aufgabe auch meistern können." Foto: dpa  Foto: Andreas Gora

Er sagt es zweimal, dreimal, dann dasselbe in anderen Worten. Es ist Pellegrino Matarazzo wichtig, dass diese Botschaft ankommt. Der Trainer des VfB Stuttgart will auf keinen Fall, dass seiner Mannschaft Angst nachgesagt wird, jetzt, wo der Kampf um den Bundesliga-Klassenerhalt in der finalen Phase angelangt ist. Zuletzt bei der überaus schmerzhaften 0:2-Niederlage beim direkten Rivalen Hertha BSC habe man bei sehr vielen Spielern "zu großen Respekt für die Situation" gespürt, so drückt Matarazzo es aus, zweimal, dreimal, dann sagt er, da sei "zu viel Anspannung" im Team erkennbar gewesen. Aber Angst? Nein. Dieses Wort will der VfB-Trainer nicht benutzen.

Mit vier Punkten Rückstand auf die Hertha (32) stehen die Stuttgarter (28) auf dem Abstiegs-Relegationsplatz, zwei Zähler vor Arminia Bielefeld, dem Siebzehnten. Bielefeld empfängt am Samstag (15.30 Uhr/Sky) Hertha BSC, der VfB spielt zeitgleich zu Hause gegen den Tabellen-Zwölften VfL Wolfsburg. Es geht um sehr viel, das ist klar. Nur noch drei Spieltage sind es in der Bundesliga. Der übernächste Stuttgarter Gegner heißt FC Bayern, es wird die Münchner Meisterschalenparty sein.

Bemühen um Lockerheit und Freude

Die psychologische Seite des Kampfes gegen den Abstieg in die 2. Liga ist für Pellegrino Matarazzo wichtig. Er hat sich in der Trainingswoche nach dem schweren Rückschlag von Berlin um "Lockerheit" und "Freude" in seiner Mannschaft bemüht. Denn das 0:2 bei der Hertha hat in den Augen des Trainers klar aufgezeigt: "Zu viel Respekt vor einer Situation ist auch nicht gewinnbringend."

Es gebe im Schlussspurt um den Klassenerhalt "keine Zweifel, ob wir das wollen oder nicht wollen". Aber: "Wenn man zu verkrampft ist, dann läuft es nicht."

Matarazzo hat viele Gespräche mit den Spielern geführt

Im Duell mit dem VfL Wolfsburg, der den Bundesliga-Verbleib mit 37 Punkten so gut wie sicher hat, sollen die Stuttgarter Profis so selbstsicher wie nur irgend möglich auf dem Platz agieren. Es gehe darum, aus dem Spiel in Berlin "ganz schnell zu lernen". Matarazzo hat "viele Gespräche" mit seinen Spielern geführt, hat ihnen auch Zeit gegeben, den Frust zu verarbeiten.

Es sei ums "Auffrischen der Mannschaft" gegangen, ums psychologische Aufpolieren. Darum, gegen Wolfsburg einen mutigen Auftritt des VfB zu ermöglichen. Denn das wird wichtig sein, um die zuletzt schwer enttäuschten und mächtig murrenden Fans wieder hinters Stuttgarter Team zu bekommen. "Es liegt an uns, die Fans mitzunehmen", sagt der Trainer. Es sei bedeutsam, "dass wir sofort da sind", dann habe man wohl schnell "ein Brett im Rücken".

VfB-Heimspiel mit mehr als 50.000 Zuschauern

Man sei sich absolut bewusst, dass es am Samstag um "Support" gehe, "den wir niemals verschenken dürfen". Mit der Unterstützung von mehr als 50.000 Anhängern soll der wichtige Heimsieg gegen Wolfsburg eingefahren werden.

Eine unverzichtbare Voraussetzung: anders aufzutreten als bei der Hertha, wo die VfB-Profis zu passiv waren, in der Defensive bis zur Umstellung auf eine Abwehr-Dreierkette "immer zurückgewichen" seien und in der Offensive mit "drei gegen acht" aussichtslos unterwegs waren. Die Erkenntnis von Pellegrino Matarazzo: "Mut war nicht da."

Wiederholt sich, was 2016 und 2019 passiert ist?

Das soll sich nicht wiederholen, das darf sich nicht wiederholen, will der zuletzt schon 2016 und 2019 ins deutsche Fußball-Unterhaus abgestürzte VfB nicht bald wieder Zweitligist sein. Sollte Arminia Bielefeld gegen Hertha BSC gewinnen und die Stuttgarter parallel ohne Punkte bleiben, stünde der VfB am Samstagabend auf dem direkten Abstiegsplatz 17.

Der Trainer weiß das. "Die Situation ist so, wie sie ist." Aber Matarazzo demonstriert als Fußballlehrer mit aktuellem Psychologie-Schwerpunkt Zuversicht. Angst darf in der entscheidenden Phase des Kampfes um den Klassenerhalt kein Thema sein. "Ich bin überzeugt, dass wir die Aufgabe auch meistern können." Was zu beweisen ist.

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