Eisschnelllauf-Idol Erhard Keller wird 65
Christkind» Erhard Keller wird nun auch offiziell Rentner, und seine Geburtstags-Wünsche verbindet der Bayer eng mit der Olympia-Bewerbung Münchens.

«Winterspiele 2018 in München - das wäre ein Traum», sagt der Jubilar, der am Heiligabend seinen 65. Geburtstag feiert. «Da kommen morgens die Freunde zum Frühschoppen und nachmittags die Familie mit Kindern und dem drei Monate alten Enkel. Da muss man aufpassen, dass man am Morgen die Getränke reduziert, um den Abend noch zu erleben», scherzt der 500-Meter-Olympiasieger von 1968 und 1972, das einstige Idol des deutschen Eisschnelllaufs.
Natürlich wird am doppelten Festtag auch das gewohnte sportliche Ritual durchbrochen. «Morgens eine Fahrrad-Tour, mittags auf den Golfplatz und am Abend ein Waldlauf mit Hündin Tina - so halte ich mich normalerweise fit. Aber die Läufe sind kaum mehr länger als fünf Kilometer. Und meine Tina - die Schwester des Fernseh-Hundes Kommissar Rex - schwächelt inzwischen ein wenig, so dass wir öfter mal ein Päuschen einlegen müssen», meint Erhard Keller verschmitzt.
Eine Woche vor seinem Ehrentag stand er noch auf dem Eis, um bei einem Sichtungs-Wettkampf von 300 Schülern auf der 400-Meter-Bahn in Neuperlach Werbung für die Winterspiele 2018 in seiner Heimatstadt zu betreiben. «Das ist herrlich mit anzusehen. Aber es erfüllt mich auch ein wenig mit Sorge: Fast alle Siegernamen sind schwer auszusprechen, fast nur noch Kinder mit Migrations-Hintergrund engagieren sich sportlich so, dass es Hoffnung für die sportliche Zukunft gibt», bedauert Keller. Kaum noch Kinder aus gutbürgerlichen Familien könnten bei den Anforderungen durch Schule oder Berufsausbildung jenen Zeitaufwand betreiben, der für Spitzenleistungen nötig sei.
So sei der Hilferuf aus dem Sportgymnasium der Landeshauptstadt symptomatisch: «Die Verantwortlichen kamen zu mir, weil sie die Klassen nicht mehr füllen können. Das ist doch sehr bedauerlich.» Vor allem auch mit Hinblick auf Olympia 2018. «Seit ein paar Monaten ist ein Ruck durch die Stadt gegangen. Alle wissen: Wir können es schaffen.» Nach anfänglichen Problemen aufgrund der Finanzkrise ist Keller nun zuversichtlich. «Jetzt läuft es. Die Stadt München ist euphorisch, vom Bürgermeister Christian Ude angefangen», sagte der Olympia-Botschafter, der das südkoreanische Pyeongchang als einzigen echten Konkurrenten um die Ausrichtung der Spiele ansieht. «In Annecy betreibt man die Bewerbung nicht ernsthaft. Dort konzentriert man sich auf Skisport - das reicht für Olympia nicht aus», meint der einst schnellste Mann auf dem Eis.
Schon vor sieben Jahren hat er seinen Job als Zahnarzt aufgegeben. «Bisher war ich Privatier, jetzt darf man Rentner zu mir sagen», sagt er. Keller genießt das Leben und schaut mit Genugtuung zurück auf seine Karriere, in der er zehn Weltrekorde aufstellte und 1971 auch Sprint-Weltmeister war. «Trotz der Summen, die heute fließen: Ich würde mit keinem der Stars tauschen wollen. Ich hatte damals neben dem Sport noch Zeit, mein Studium zu absolvieren. Bei den heutigen Anforderungen ist das utopisch: Die Wettkämpfe und Reisen haben so zugenommen, dass kaum noch Zeit bleibt, an die Zukunft zu denken. Und wie schnell sind Prämien und Werbe-Gelder aufgebraucht.»
Keller galt neben dem Niederländer Arnd Schenk als der Eisschnellläufer, der seine zwei Olympiasiege bestmöglich vermarktete. «Immerhin konnte ich meine gesamte Praxiseinrichtung damals ohne Kredit finanzieren. 350 000 Mark waren damals viel Geld.» Nach 1972 stieg er kurzzeitig in den US-Profizirkus ein und verlor den Amateurstatus. «Letztlich ein Fehler. Die Sprinter waren 1976 so schlecht, ich hätte die Chance zum dritten Olympia-Gold gehabt.»
Stimme.de