Dennis Schröder: «Familienmensch» im mittleren Westen

Oklahoma City (dpa)  Diese Saison bedeutet für Dennis Schröder einen Neuanfang. Mit den Oklahoma City Thunder peilt der deutsche NBA-Profi den Meistertitel an - allerdings mit veränderten Aufgaben nach seinem Wechsel. Ein Ortsbesuch im mittleren Westen.

Von Florian Lütticke, dpa

Dennis Schröder
Ist im Team der Oklahoma City Thunder angekommen: Dennis Schröder (r).

Der Wechsel zu den Oklahoma City Thunder hat für Dennis Schröder nicht nur seine Rolle auf dem Parkett verändert. Kurz schaut der derzeit beste deutsche Basketballer im Gang der Chesapeake Arena zu seiner Verlobten Ellen, die wenige Meter entfernt wartet, und schmunzelt.

«Ich bin ein Familienmensch geworden, das muss man hier in Oklahoma», antwortet der 25-Jährige auf die Frage, wie er mit seinem beschaulicheren Wohnort zurechtkommt. «In Atlanta war immer sehr viel los. Ich bin froh, dass ich hier bin und ich mich auf Basketball und auf meine Familie konzentrieren kann.»

Nach fünf Jahren bei den Atlanta Hawks steht diese Saison für Schröder im Zeichen des Neuanfangs. Stadt im mittleren Westen nördlich von Texas statt pulsierender Hip-Hop-Hochburg. Spitzenteam mit Meister-Chancen statt zuletzt einer Franchise ohne Playoff-Ambitionen. Einwechselspieler statt unangefochtener Anführer. «Ich wusste, was auf mich zukommt», sagt der Braunschweiger über seinen Rollentausch. «Ich wusste, dass ich von der Bank komme, aber wusste gleichzeitig auch, dass ich viele Minuten mit Russell Westbrook und Paul George auf dem Feld spielen werde.»

Über dem Eingang zur Arena hängt das Bild von Schröder überlebensgroß direkt neben den beiden Superstars, in der Kabine sitzt er an ihrer Seite und steht auch zum Ende der Partien meist mit auf dem Feld. Anders als noch in Atlanta lastet nicht mehr der alleinige Spielaufbau auf ihm, Schröder gibt weniger Vorlagen, hat aber unter anderem seine Dreierquote auf einen Karrierebestwert gesteigert.

«Er bringt Energie», beschreibt George seinen Mitspieler. «Er ist ein Big-Time-Spieler, überall sonst wäre er ein Starter. Er ist ein Schlüsselteil für uns.» Superstar Dwyane Wade bezeichnete die Verpflichtung Schröders durch die Thunder als «eine der besten» der ganzen NBA-Saison.

Auch dank seines Neuzugangs liegt Oklahoma City nur knapp hinter Meister Golden State Warriors und den Denver Nuggets auf Platz drei der Western Conference. Unter der Hallendecke hängen bei den Thunder bislang nur sechs Banner für Divisionstitel und den Gewinn der Western Conference 2012, nach dem es eine klare Final-Niederlage gegen die Miami Heat setzte. «Ich garantiere jetzt nicht, dass wir auf jeden Fall eine Meisterschaft holen», sagt Schröder zum starken Lauf. «Aber wenn wir weiter so in die richtige Richtung gehen, haben wir auf jeden Fall eine Chance.»

Die Thunder sind das einzige Profi-Sportteam in Oklahoma City, wo ansonsten College-Football, unterklassiger Baseball und Rudern populär sind. Unweit der Halle passiert der Besucher das American Banjo Museum, bei der Nationalhymne flimmern Bilder von Kornfeldern über den Videowürfel. Ein wenig erinnere ihn die Stadt an seine Heimat Braunschweig, erzählte Schröder schon kurz nach seiner Ankunft.

In Atlanta eröffnete er noch eine eigene Lounge, wurde einmal nach einer körperlichen Auseinandersetzung vorübergehend festgenommen. Inzwischen gründete der geschäftstüchtige Profi eine eigene Spieleragentur, stieg vor der laufenden Saison als Gesellschafter bei seinem Ex-Club Basketball Löwen Braunschweig in der Bundesliga ein. Im Sommer steht die Hochzeit an.

Wer sich mit den Journalisten, die die Thunder jedes Spiel begleiten, unterhält, hört kein schlechtes Wort über den selbstbewussten Niedersachsen. Auch sein Coach hebt die Einstellung Schröders hervor: «Dennis ist ein großartiger Neuzugang, großartiger Wettkämpfer», sagt Billy Donovan. «Er ist der eine Spieler, der mit jedem spielt, mit unseren Startern und der zweiten Reihe. Er hat das ganze Jahr schon einen wunderbaren Job für uns gemacht.»

Doch besteht nicht der Wunsch, wieder einem Team als wichtigster Spieler den Takt vorzugeben? In der Nationalmannschaft hat er diese Rolle inne, will bei der WM in China dieses Jahr Großes erreichen: Das junge Team könne «auf jeden Fall alles schaffen».

Bei den Thunder läuft sein Vertrag, der ihm pro Jahr 15,5 Millionen Dollar bringt, noch bis 2021. Schröder überlegt kurz: «Gerade ist die Situation für mich passend, gerade fehlt mir nichts. Wir gewinnen, haben ein sehr gutes Team, jedes Spiel ist im Fernsehen, es ist eine große Plattform», sagt er und fügt hinzu: «In Zukunft will ich natürlich wieder starten, das weiß auch jeder.»


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