Weinzierl darf beim VfB vorerst weitermachen

Fußball  Der Trainer des VfB Stuttgart erhält eine einwöchige Arbeitsplatzgarantie - trotz zehn Niederlagen in 14 Spielen. Für VfB-Sportvorstand Michael Reschke geht es darum, das Team wieder auf Spur zu bringen und als Einheit zu fungieren.

Von Florian Huber

Weinzierl darf weitermachen

Markus Weinzierl stand auch gestern auf dem Trainingsplatz und leitete die Übungseinheit der Reservisten.

Foto: dpa

 

Der Montag war der Tag des europäischen Notrufs. In der Stuttgarter Mercedesstraße 109 hat Michael Reschke am Montag nicht die 112 auf seinem Handy gewählt. Ein passender Retter wäre unter dieser Nummer eh nicht erreichbar gewesen. Ein neuer Trainer ist vorerst nicht in Sicht beim kriselnden Bundesligisten VfB Stuttgart, obwohl die sportliche Not beim Tabellensechzehnten nach dem 0:3 in Düsseldorf größer denn je ist.

Michael Reschke, der VfB-Sportvorstand, gab Trainer Markus Weinzierl am Montagvormittag eine Arbeitsplatzgarantie. Für exakt eine Woche. "Er wird in dieser Woche das Training leiten, und er wird gegen Leipzig auf der Bank sitzen", sagte Reschke. Weinzierl darf also weitermachen. Trotz zehn Niederlagen in 14 Spielen. Trotz eines Punkteschnitts von nur 0,71 soll Weinzierl der Trainer sein, der eine leblose Mannschaft wiederbelebt. Oder zumindest irgendwie in stabile Seitenlage bekommt.

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Reschke: "Wir dürfen uns nicht selbst zerfleischen"

"Unser aller Aufgabe ist es, die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen. Wir dürfen uns jetzt nicht selbst zerfleischen", sprach Reschke am Morgen nach dem Debakel von Düsseldorf, das alle Defizite des Vereins für Bewegungsspiele so schonungslos offenlegte. Zusammenstehen, als Einheit fungieren. "Wir müssen daran glauben, dass es uns gemeinsam gelingen kann, die Liga zu halten", sagte Reschke.

Im Düsseldorfer Dauerregen war von alldem nichts zu sehen. Die VfB-Profis sind viel zu sehr mit sich selbst und den eigenen Unzulänglichkeiten beschäftigt. Kapitän Christian Gentner ist völlig außer Form. Stürmer Nicolas Gonzalez trifft nur als Boxer, jetzt fehlt er nach seinem Platzverweis auch noch für drei Spiele. Benjamin Pavard ist Weltmeister, aber keiner im Vorranmarschieren. Der künftige Bayer zuckelte am Sonntag ein ums andere Mal Dodi Lukebakio hinterher. In dieser Form ist Pavard keine 35 Millionen Euro wert.

Kein passender neuer Trainer in Sicht

Das Wort "vielleicht" spielt aktuell eine große Rolle. Vielleicht darf Markus Weinzierl weitermachen, weil kein passender Neuer in Sicht ist, von dem man überzeugter ist als vom aktuellen Trainer. Felix Magath? Zu lange aus dem Geschäft. Jürgen Klinsmann? Der sieht sich eher in gestaltender Funktion als Vorstand/Manager - und nicht als Trainer im Abstiegskampf.

Markus Gisdol hinterließ im Oktober 2015 in Hoffenheim und im Januar 2018 den Hamburger SV genau in jenem Zustand, in dem sich der VfB Stuttgart aktuell befindet. Ob er da als Blockadelöser beim VfB fungieren kann? "Vieles bei uns spielt sich im Kopf ab", erkannte Torwart Ron-Robert Zieler nach dem 0:3 gegen Fortuna Düsseldorf.

Noch möglicherweise 15 Spiele

13 Spiele sind es noch, 15 möglicherweise, falls der VfB Stuttgart als 16. im Mai die Relegation bestreiten darf. Auch das sei eine Möglichkeit, "mit der man sich befassen muss", sagte Zieler am Sonntagabend. Am Samstag kommt RB Leipzig, ein Champions-League-Anwärter. Danach geht es nach Bremen, dann kommt Hannover 96. Lauter Endspiele.

Weinzierl bleibt also. Vorerst. Aufgeschoben ist die Trainerdebatte, nicht aufgehoben. Vielleicht will man im roten Haus, dem VfB-Clubzentrum, nicht noch mehr Unruhe, nachdem vor einer Woche Guido Buchwald nach einem Disput mit einem anderen Aufsichtsratsmitglied das Gremium verlassen hatte.

Fans schießen sich auf Präsident Dietrich ein

Während die VfB-Fans in früheren Zeiten "Trainer raus" riefen, schießen sich die Fans auf Präsident Wolfgang Dietrich ein. Dietrich hat jenes Geld durch die Ausgliederung der Profis aus dem Verein erlöst, das Michael Reschke erfolglos in neue Spieler investierte. Dietrich und Reschke sind somit eine Schicksalsgemeinschaft. Zudem ist unklar, ob Sportvorstand Michael Reschke überhaupt noch der starke Mann des Vereins ist, dem vereinsintern zugetraut wird, den Stuttgarter Trainerretter zu finden. "Meine persönliche Zukunft ist im Moment völlig uninteressant", sagte Reschke.