Eintracht-Legende Grabowski wird 65 - Keine Party

Frankfurt/Main (dpa)  In der Nationalmannschaft stand er stets im Schatten von Franz Beckenbauer, Günter Netzer oder Wolfgang Overath, bei Eintracht Frankfurt ist Jürgen Grabowski eine Legende.

Von Eric Dobias, dpa

«Joker»
Früher Fußballlegende, heute Amateurgolfer: Jürgen Gabrowski wird 65.

Der geniale Spielmacher zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten des deutschen Fußballs in den «goldenen» 70er Jahren und gilt als bedeutendster Spieler in der Vereinsgeschichte der Eintracht. Als «Star ohne Allüren» eroberte er damals die Herzen der Fans. Auch heute noch meidet der elegante Techniker, der am 7. Juli seinen 65. Geburtstag begeht, das Rampenlicht. «Es wird keine große Feier geben. Ich werde den Tag im Kreis meiner Familie verbringen», sagte Grabowski in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Den größten Moment seiner Karriere erlebte Grabowski an seinem 30. Geburtstag mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Das 44. Länderspiel beim 2:1-Finalsieg gegen die Niederlande am 7. Juli 1974 in München war zugleich sein letztes. «Ich hatte häufig das Gefühl, als gehörte ich gar nicht dazu», beschrieb Grabowski einmal sein zwiespältiges Verhältnis zur Nationalmannschaft, in der er sich angesichts der damaligen Dominanz der Spieler von Bayern München und Borussia Mönchengladbach oft als Einzelkämpfer fühlte.

Weil er zumeist nur als «Joker» zum Zuge kam, galt Grabowski, der mit der DFB-Auswahl 1966 WM-Zweiter, 1970 WM-Dritter und 1972 Europameister wurde, lange als «bester Auswechselspieler der Welt». Dabei behagte dem in Wiesbaden geborenen Rechtsaußen, der erst spät auf seiner Lieblingsposition im Mittelfeld spielen durfte, diese Rolle ganz und gar nicht. «Grabowski war nicht zum Rekruten geboren, sondern zum Feldherrn bestimmt», schrieb einst ein Kritiker über den Hessen.

Seine ersten sportlichen Schritte machte Grabowski in Biebrich, wo er 1959 als knapp 15-Jähriger mit großem Interesse das legendäre Finale um die deutsche Meisterschaft zwischen Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach (5:3) verfolgte. «Das hat mich inspiriert, weil ich als junger Fußballer zu den damaligen Assen aufgeschaut habe», erzählte Grabowski.

1965 wechselte er für ein Handgeld von 10 000 Mark und ein monatliches Grundgehalt von 1000 Mark zur Eintracht, wo er voll einschlug und nur ein Jahr später zum Nationalspieler avancierte. Seine erfolgreichste Zeit mit den Frankfurtern erlebte er nach dem Ende seiner Auswahl-Karriere. 1974 und 1975 holte er den DFB-Pokal, 1980 den UEFA-Cup. Die beiden Finalspiele gegen Borussia Mönchengladbach konnte Grabowski allerdings nur an der Seitenlinie verfolgen. Der damals 19-jährige Lothar Matthäus hatte ihn im Bundesligaduell wenige Wochen zuvor so schwer verletzt, dass er seine Laufbahn beenden musste.

Unerfüllt blieb der Traum von der deutschen Meisterschaft. «Schade, dass mir der Titel nie vergönnt war. Wir hatten eine tolle Mannschaft, haben oft sehr viele Tore geschossen, aber es hat nie gereicht. Das muss ich akzeptieren», sagte Grabowski im Rückblick. Nach seinem Rücktritt entdeckte der seit knapp 40 Jahren glücklich verheiratete Grabowski seine zweite sportliche Liebe - das Golfspiel. Mit einem Handicap von 8,0 gehört er zu den besten Amateurspielern in Deutschland. «Ich versuche, so oft wie möglich auf den Golfplatz zu gehen. Ich spiele bis zu dreimal in der Woche. Es macht Spaß und natürlich entwickelt man auch Ehrgeiz», sagte Grabowski.

Und natürlich schlägt sein Herz weiter für die Eintracht, deren Werdegang er intensiv verfolgt. «Ich bin bei den meisten Heimspielen im Stadion. Ich hoffe, dass Michael Skibbe ein glückliches Händchen hat, damit es in der nächsten Saison besser läuft», sagte der kürzlich zu Hessens beliebtestem Fußballer gekürte Jubilar.