Babbels Erfolgsrezept: Drei Kugeln Eis

Stuttgart (dpa)  Stuttgart - Drei Kugeln Eis als Nachtisch beim Abendessen sind Markus Babbels ganzes Erfolgsrezept. "Zweimal Vanille, einmal Schoko" wird sich der Teamchef des VfB Stuttgart auch vor dem Schlüsselspiel um den Einzug in die Champions League beim FC Bayern München am kommenden Samstag genehmigen.

Von Elmar Dreher

VfB-Trainer
Der Stuttgarter Trainer Markus Babbel ruft beim 2:2 in Bielefeld auf das Spielfeld.

Stuttgart - Drei Kugeln Eis als Nachtisch beim Abendessen sind Markus Babbels ganzes Erfolgsrezept. «Zweimal Vanille, einmal Schoko» wird sich der Teamchef des VfB Stuttgart auch vor dem Schlüsselspiel um den Einzug in die Champions League beim FC Bayern München genehmigen.

«Etwas Aberglaube gehört dazu. Aber manchmal denke ich dann danach: Spinnst du eigentlich?», räumte der vor dem größten Triumph seiner noch jungen Trainerlaufbahn stehende Babbel mit breitem Grinsen ein. In der Geschichte der Bundesliga ist bislang noch keinem Fußballlehrer-Neuling der Coup geglückt, direkt in die Königsklasse einzuziehen. Der Europameister von 1996 könnte sogar der Erste werden, der ohne Trainerschein den Titel holt.

Aber von solchen Träumereien hält der bodenständige Babbel nichts: «Man muss die Kirche im Dorf lassen. Ich rede nicht vom Titel.» Für ihn wäre angesichts des realistisch gesehen kaum noch überholbaren Spitzenreiters VfL Wolfsburg der direkte Einzug in die Champions League «das I-Tüpfelchen einer eh schon phänomenalen Saison». Und auch dafür ist wegen des besseren Torverhältnisses der punktgleichen Bayern ein Sieg Voraussetzung.

Selbstvertrauen

Obwohl rein rechnerisch zwischen Titel und Platz vier noch alles möglich ist, zieht Babbel sein ganz normales Programm durch. Jetzt mit irgendwelchen Psycho-Tricks oder sonstigen Spirenzchen «das Unmögliche möglich zu machen», entspricht nicht seiner Philosophie und seinem Charakter. Für ihn zählt konsequente, harte, tägliche Arbeit. Beharrlich hat Babbel seinen Schützlingen neues Selbstvertrauen und den Glauben an die eigenen Stärken eingetrichtert. Als er den VfB am 23. November 2008 als Nachfolger des zuletzt glücklosen Meister-Machers Armin Veh übernommen hatte, dümpelten die völlig verunsicherten Schwaben scheinbar hoffnungslos auf Rang zehn herum.

Schlüssel zur positiven Trendwende war für Babbel der mühsame 2:0- Sieg gegen Mönchengladbach direkt nach dem deprimierenden 1:5-Debakel im DFB-Pokal zu Hause gegen die Bayern. Die damalige Reaktion des Teams habe ihm gezeigt, «da geht etwas». Inzwischen ist eine ganze Menge «gegangen», und der ehrgeizige Neuling ist sich sicher, dass seine Schüler noch viel Verbesserungspotenzial haben: «Der VfB gehört in die Top 5. Das muss unser Ziel für die nächsten Jahre sein.»

Um dieses Ziel zu erreichen, ist laut Babbel nicht nur eine spielerische, technische und taktische Weiterentwicklung nötig, sondern die Mannschaft muss auch mental noch stärker werden. «Wir müssen lernen, noch mehr die 'Bayern-Arroganz' auszustrahlen», forderte er. Er selbst habe die maßgeblich durch Manager Uli Hoeneß geprägte Bayern-Schule schon von klein auf durchlaufen. «Wenn du als Zehnjähriger bei einem Hallenturnier von den Zuschauern ausgepfiffen wirst, nur weil du für Bayern spielst, dann prägt das. Da entwickelst du eine besondere Mentalität.»

Diese will er nun den Stuttgartern vermitteln, wobei Babbel betont: «Ich spiele nicht so eine Rolle. Ich habe die richtigen Leute um mich.» Dabei denkt er speziell an die beiden Sportdirektoren Horst Heldt und Jochen Schneider sowie seinen ganzen Trainerstab. Der von Ottmar Hitzfeld, Giovanni Trapattoni, Jupp Heynckes und Hermann Gerland besonders geprägte Jung-Trainer vertraut aber auch der professionellen Unterstützung durch einen Management-Coach: «Ich arbeite mit Professor Wolfgang Jennewein von der Universität St. Gallen zusammen.»