Stimme+
Paris (dpa)
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

«Tennis-Oma» Date Krumm begeistert Paris

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

1996 stand Kimiko Date noch im Wimbledon-Halbfinale gegen Steffi Graf, wenig später hatte sie genug vom Leben auf der Tennis-Tour. Die schüchterne Japanerin hasste das ewige Reisen, sprach kein Englisch und beendete kurzerhand ihre Karriere. Mit 26 Jahren.

Von Inga Radel, dpa
Kimiko Date Krumm jubelt nach ihrem Sieg gegen Dinara Safina.
Kimiko Date Krumm jubelt nach ihrem Sieg gegen Dinara Safina.

Für zwölf Jahre verschwand sie aus dem WTA-Zirkus. Im Alter von 39 Jahren und sieben Monaten rang sie bei den French Open Dinara Safina nieder, immerhin die Vorjahresfinalistin. 3:6, 6:4, 7:5 hieß es am Ende für Kimiko Date Krumm. So heißt sie nach der Heirat mit dem Reutlinger Rennfahrer Michael Krumm. Und der hat viel damit zu tun, dass die Japanerin ihre «zweite Karriere» erlebt.

Wieso sie zurück ist? «Wegen ihm. Er liebt Sport. Und er liebt Tennis», sagt Date Krumm bei der Pressekonferenz und zeigt auf den blonden Mann hinten im Raum. 1998 hatten sich die beiden bei einem Rennen in Le Mans kennengelernt, die frühere Weltranglisten-Vierte arbeitete dort für's japanische Fernsehen. 2001 heirateten sie. «Ich hatte sie leider nie live spielen sehen», erzählt Krumm. «Und ich dachte, was für eine Schande, dass sie so früh aufgehört hat.» Der 40-jährige Nissan-Pilot, der in der FIA GT1 Weltmeisterschaft fährt, spricht Japanisch und hat seine Wohnsitze in Tokio und Monte Carlo.

«Nach meinem Karriereende habe ich das Racket für zwei Jahre nicht angefasst», sagt Date Krumm, die inzwischen gut Englisch spricht. «Gar kein Sport zu treiben, hat mich aber unglücklich gemacht.» So fing sie drahtige Athletin wie eine Getriebene an, zu joggen. 2004 lief sie den London-Marathon in 3:27 Stunden. «Mein Mann hat mich gefragt: Willst du jetzt eine Marathonläuferin sein, oder was?», erinnert sie sich amüsiert. «Dann haben wir versucht, ein Baby zu machen.» Das habe aber nicht geklappt. 2007 spielte sie in Japan Schaukämpfe gegen Graf und Martina Navratilova, bekam wieder Lust auf Tennis und ihr Mann «pushte» sie zum Comeback, wie sie erzählt.

Im Januar 2009 qualifizierte sich Date Krumm dann für das Hauptfeld der Australian Open. Im Herbst in Seoul gewann sie ihren achten Karriere-Titel. Und nun der Sieg gegen die verunsicherte Weltranglisten-Neunte und einstige Nummer 1 Safina. Damit wurde die Nummer 72 der Welt die Älteste, die je eine Top-Ten-Spielerin geschlagen hat. Dabei hatte sie im zweiten Satz schon mit 2:4 und im dritten Satz bereits mit 1:4 zurückgelegen - außerdem brach ihre alte Wadenmuskel-Verletzung wieder auf. «Sie ist eine absolute Kämpferin», meint ihr Mann. «Sie sagen, Schumacher ist der fitteste 40-Jährige, aber ich kenne da noch jemanden.»

Wie lange sie das noch machen will? «Vielleicht noch zwei Jahre - so lange ihr Körper hält», sagt der Schwabe. «Irgendwann wollen wir ja noch Kinder haben.» In Roland Garros wartet in der zweiten Runde die Australierin Jarmila Groth - die war zwei Jahre alt, als Kimiko Date 1989 ihre «erste Karriere» begann. Und Groth ist durchaus eine lösbare Aufgabe für die Frau mit der altmodischen Vorhandtechnik - wenn die Wade hält. Die französische Sportzeitung «L'Equipe» titelte: «Das war erst der Anfang für Date.»

Nach oben  Nach oben