French-Open-Rückkehr mit Fragezeichen

Paris (dpa)  Vor 20 Jahren schlug Roger Federer erstmals bei den French Open auf, vor zehn Jahren gewann er zum bislang einzigen Mal in Paris. Und auch jetzt steht der Altmeister vor einer ganz besonderen Herausforderung.

Von Wolfgang Müller, dpa

Roger Federer
Tennisstar Roger Federer trifft in seinem French-Open-Auftaktmatch auf den Italiener Lorenzo Sonego.

Seine Premiere auf den roten Ascheplätzen von Paris feierte Roger Federer 1999 gegen den mittlerweile 46 Jahre alten Pat Rafter. Die Sieger damals hießen Andre Agassi und Steffi Graf.

Seinen ersten und bislang einzigen French-Open-Titel gewann der Schweizer 2009 gegen den längst zurückgetretenen Robin Söderling. Und 2019? «Ich spüre, dass ich gut Tennis spiele. Aber ich weiß nicht, ob es gut genug ist, um gegen die Besten zu bestehen», sagte Federer vor seinem Auftaktmatch gegen den Italiener Lorenzo Sonego am Sonntag.

Die Worte des 20-maligen Grand-Slam-Champions und 101-maligen Turniersiegers mögen wie Koketterie oder übertriebene Bescheidenheit klingen, sie sind jedoch mit Bedacht und ganz bewusst so gewählt. Erstmals seit vier Jahren hat Federer im Monat Mai wieder ein Flugticket gebucht mit der Destination Paris. Drei Jahre in Folge hat er die kräftezehrende Hatz auf der «terre battue», wie die gestampfte Erde so herrlich lautmalerisch im Französischen heißt, ausgelassen.

Er fühle sich ein bisschen wie vor den Australian Open 2017, gab Federer zu Protokoll, als er sich auf der komplett im Umbau befindlichen Anlage und dem renovierten provisorischen Presseraum den Fragen der internationalen Berichterstatter stellte. Damals kehrte er nach einer halbjährigen Pause wegen einer Knieoperation ebenfalls mit einem Gefühl der Ungewissheit zurück, startete in der ungewohnten Rolle als Außenseiter - und gewann schließlich das Turnier.

«Es ist auch jetzt ein bisschen unbekanntes Terrain», sagte Federer und sprach von einem «kleinen Fragezeichen» hinter seinem Leistungsvermögen auf Asche. 2017 und 2018 hatte er auf diesen Part der Saison verzichtet. Bei seinem Comeback in diesem Jahr erreichte er in Madrid und Rom jeweils das Viertelfinale. Dass er beim Masters in Italien vor der Partie gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas zurückzog, sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, betonte Federer.

«Federers Rückkehr nach Paris ist eine Fahrt ins Blaue», titelte die «Neue Zürcher Zeitung» am Samstag. Aller Ungewissheit und allen Unwägbarkeiten zum Trotz ist eines allerdings wie immer: Der elfmalige Champion Rafael Nadal mag Titel-Anwärter Nummer eins sein, der Serbe Novak Djokovic der Anführer der Weltrangliste, und auch der Österreicher Dominic Thiem ist im Favoriten-Ranking noch höher einzuschätzen als Federer - die größte Aufmerksamkeit wird jedoch dem bald 38 Jahre alten vierfachen Familienvater aus Basel zuteil.

«Wir haben ihn erwartet, und endlich ist er da», twitterten die Organisatoren Mitte der Woche, als Federer seine erste Übungseinheit auf dem Court Philippe Chatrier absolvierte. Ganze zwei Stunden habe er intensiv trainiert, registrierten die Medien seines Heimatlandes.

Federers Fokussierung auf die sportlichen Ziele mindert jedoch nicht seine Gelassenheit, seinen Humor und sein geradezu staatsmännisches Auftreten abseits der Plätze. Bei der Jubiläums-Veranstaltung eines Champagner-Herstellers ließ sich Federer im eleganten dunklen Anzug mit Supermodel Kate Moss, Schauspielerin Uma Thurman und Oscar-Preisträgerin Natalie Portman fotografieren - und veröffentlichte sofort danach ein Bild mit seiner Ehefrau Mirka.

Als Federer bei einem Medientermin des Schweizer Fernsehens auf den Österreicher Thiem traf, rief er ihm zu: «Das wichtigste Interview kommt jetzt, mach's auf Schweizerdeutsch, zeig, was du drauf hast.» Ob Federer auf Sand so viel draufhat, um «gegen die Besten zu bestehen»? «Er spielt nach wie vor auf einem sehr, sehr hohen Niveau», sagt Djokovic. «Man muss ihn immer auf der Rechnung haben.»


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