Premiere für Philipp Boy: Weltcupsieg am Reck
Philipp Boy turnt weiter auf der Euphorie-Welle: Der Mehrkampf-Vizeweltmeister aus Cottbus feierte in Stuttgart mit dem ersten Sieg im Turn-Weltcup eine weitere Premiere.

Unter den kritischen Augen von Ex-Weltmeister Fabian Hambüchen, der wegen einer Entzündung der Achillessehne abgesagt hatte und als Co-Kommentator für die ARD arbeitete, setzte sich Boy mit einer grandiosen Übung und 15,90 Punkten klar am Königsgerät Reck durch.
«Endlich: Beim dritten Weltcup-Start der erste Sieg», meinte der neue Turn-Star strahlend. «Vorn lief die Übung gut, am Ende ist mir aber fast das Herz in die Hose gerutscht. Aber dann habe ich den Abgang gestanden: Geil», meinte er, nachdem ihn 4000 Zuschauer begeistert gefeiert hatten. Bereits am Vortag hatte der WM-Vierte am Reck im Vorkampf für den Bestwert gesorgt und wandelte damit auf den Spuren seines Rivalen Hambüchen, der in Stuttgart schon fünfmal - 2004 und 2008 auch am Reck - erfolgreich war. Nun fiebert der 23- Jährige der mit 50 000 Schweizer Franken (35 000 Euro) dotierten Champions Trophy am Sonntag entgegen.
In seinem ersten Weltcup-Finale am Barren schrammte Boy wenig später nur knapp an einem weiteren Sieg vorbei und wurde hinter den beiden Ex-Weltmeistern Mitja Petkovsek (Slowenien) und Wang Guanyin (China) Dritter.
Zuvor hatte auch die deutsche Meisterin Elisabeth Seitz mit einem dritten Platz am Boden überzeugt. «Meine erste und meine letzte Bahn waren nicht optimal. Aber ich glaube, ich habe das tolle Publikum gut unterhalten», sagte die gerade 17 Jahre alt gewordene Mannheimerin. Der Sieg ging an Weltmeisterin Lauren Mitchell aus Australien (14,275), die auch am Schwebebalken (15,325) und am Stufenbarren (14,150) erfolgreich war.
Die weit größeren Chancen auf ihren ersten Weltcupsieg hatte sich Eli Seitz aber am Barren ausgerechnet, wo sie als Vorkampf-Beste ins Finale eingezogen war. Doch beim Wechsel auf den unteren Holm passierte ihr ein Missgeschick, sie musste unfreiwillig vom Gerät und wurde nur Siebte. «Das war sehr ärgerlich, denn bis zu dem Sturz lief es prima», bedauerte die WM-Achte. Weit besser schlug sich Anja Brinker, die bei ihrem Comeback nach langwieriger Fußverletzung nur haarscharf ihren dritten Weltcup-Erfolg verpasste und Zweite wurde.
WM-Teilnehmer Thomas Taranu aus Straubenhardt, der in Rotterdam das WM-Finale nur knapp verpasst hatte, kam an den Ringen auf den fünften Platz, nachdem er zuvor bereits am Sprung den gleichen Rang geschafft hatte. Die Lokalmatadoren Pia Tolle (Tübingen/Boden und Sprung) und Sebastian Krimmer (Backnang/Pferd) landeten gleichfalls auf fünften Plätzen, Krimmer am Barren zudem auf Rang vier. Insgesamt hatten die deutschen Turner mit 13 Finalplätzen bei der letzten Auflage des Einzel-Weltcups in Stuttgart ein Rekordergebnis erzielt.





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