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Frankfurt/Main (dpa)
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Olympia-Ärger verraucht: Kim Bui neue Turn-Queen

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Von der «Ersatzfrau» zur neuen Turn-Queen: Der Weg von Kim Bui führt steil nach oben. Längst verraucht ist der Ärger der hübschen Tübingerin über ihre Nicht-Nominierung für das Olympia-Team in Peking, aus Frust ist Motivation geworden.

Kim Bui führt ihre Übung am Schwebebalken aus.
Kim Bui führt ihre Übung am Schwebebalken aus.

«Ich würde es nicht Wut nennen. Kim liebt das Turnen und hat sich auch durch den Rückschlag vor einem Jahr nicht aus dem Konzept bringen lassen», sagte Ulla Koch, die Cheftrainerin der deutschen Turnerinnen über ihre neue Nummer eins.

Natürlich hat sich seit Peking vieles verändert. Katja Abel und Daria Bijak haben ihre Karrieren beendet, Oksana Chusovitina und Marie-Sophie Hindermann sind durch Achillessehnen-Operationen seit Monaten außer Gefecht und müssen neue Anläufe starten. Doch geschenkt wurde Kim Bui, der Tochter eines Laoten und einer Vietnamesin, ihr Premieren-Titel im Vierkampf keineswegs. «Das ist so genial. Ein Sieg im Mehrkampf ist ein Traum», meinte die 20-Jährige, nachdem sie die Konkurrenz beim Frankfurter Turnfest dominiert hatte.

Längst ist sie zum «Alpha-Tier» für die Schar junger Turnerinnen geworden, die mit viel Mut und Willen nachdrängen, an der Technik und Stabilität aber noch arbeiten müssen. Vizemeisterin Elisabeth Seitz, die fünf Jahre jüngere Mannheimerin, hat im zurückliegenden Jahr die größten Fortschritte gemacht und könnte schon im Oktober in die WM- Riege für London aufrücken.

«Das Beste ist, dass Kim ihre Möglichkeiten noch lange nicht ausgereizt hat. Sie ist fleißig, ehrgeizig und hat in Tamara Khochlova eine Trainerin, die genau weiß, wo sie beide hinwollen», konstatierte Ulla Koch. Eine WM-Finalchance traut sie der Boden- Spezialistin im Oktober aber ausgerechnet am Stufenbarren zu, dem einzigen Gerät, an dem es für die Tübingerin beim nationalen Titelkampf nicht so gut lief. «Wir sind eine Barren-Nation, dort haben wir die größten Chancen. Und es wäre doch nicht schlecht, wenn zwei von unseren Mädels bei den Olympischen Spielen 2012 im Finale stünden», sagte die Chefin, deren Mini-Riege mit der Bronzemedaille durch Anja Brinker bei der EM in Mailand bereits einen Achtungserfolg am Lieblingsgerät der Deutschen feierte.

Dem Ziel Olympia 2012 hat auch Kim Bui alles untergeordnet. Im September wird sie nach dem Abitur 2008 und einem Praktikums-Jahr ein Studium der Biotechnologie oder Pharmazie aufnehmen, den Sport aber weiter in den Mittelpunkt ihres Alltags stellen. Mit Platz drei beim American Cup hatte sie im März überraschend die erste Medaille einer deutschen Turnerin seit 30 Jahren geholt und die Fachwelt aufhorchen lassen. Bei der EM verpasste sie mit zwei Abstürzen am Balken einen Top 6-Rang. Ihre Motivation für London hat dies nur angestachelt.

Turnerin Kim Bui führt im Mehrkampf der Frauen ihre Übung am Boden aus.
Turnerin Kim Bui führt im Mehrkampf der Frauen ihre Übung am Boden aus.
Elisabeth Seitz (l-r), Kim Bui und Anja Brinker zeigen ihre Medaillen.
Elisabeth Seitz (l-r), Kim Bui und Anja Brinker zeigen ihre Medaillen.
Anja Brinker turnt ihre Übung am Stufenbarren.
Anja Brinker turnt ihre Übung am Stufenbarren.
Elisabeth Seitz führt ihre Übung am Stufenbarren aus.
Elisabeth Seitz führt ihre Übung am Stufenbarren aus.
Die verletzte Turnerin Annabelle Hölzer wird während der deutschen Meisterschaften betreut.
Die verletzte Turnerin Annabelle Hölzer wird während der deutschen Meisterschaften betreut.
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