Deutschland-Achter mit Fehlstart
Dem Deutschland-Achter ist der Start in das Olympia-Jahr gründlich missraten. Drei Monate vor dem Saisonhöhepunkt in Peking kam das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) beim Weltcup-Auftakt in München nicht über den vierten Rang hinaus.

Bei schwierigen Windbedingungen musste sich der durch den verletzungsbedingten Ausfall von Jochen Urban (Krefeld) gehandicapte WM-Zweite den Booten aus Australien, Großbritannien und China geschlagen geben. «Das Wochenende ist für uns chaotisch verlaufen. Dabei haben wir uns für diese Saison hohe Ziele gesetzt», klagte Schlagmann Bernd Heidicker (Herne).
Im Vergleich zur WM im Vorjahr an gleicher Stätte waren in vielen anderen Booten jedoch Fortschritte unverkennbar. Anders als vor acht Monaten blieben die Deutschen in den 14 olympischen Wettkampfklassen diesmal nicht ohne Sieg. Das Duo Berit Carow (Hamburg) und Marie- Louise Dräger (Rostock) fuhr der Konkurrenz im leichten Doppelzweier in eindrucksvoller Manier auf und davon. Beide Doppelvierer, der Männer-Doppelzweier und der Zweier ohne Steuerfrau sorgten für insgesamt vier zweite Plätze. Drei dritte Ränge rundeten die passable Bilanz ab. DRV-Sportdirektor Michael Müller zog ein positives Fazit: «In der Breite ist ein ganz anderes Leistungsvermögen erkennbar als im Vorjahr. Aber es gibt noch Reserven nach oben.»
Der ernüchternde Weltcup-Auftakt machten den Vize-Weltmeistern aus dem Achter sichtbar zu schaffen. Mit hängenden Köpfen kommentierten sie den Abstand von über acht Sekunden auf Sieger Australien. Der kurzfristige Einsatz von Ersatzmann Felix Drahotta (Rostock) sorgte im Rennen für zusätzliche Verunsicherung. Gleichwohl sieht Heidicker keinen Grund für einen Strategiewechsel: «In einer Olympiasaison werden alle schnell nervös, aber wir müssen jetzt ruhigbleiben.»
Auch Marcel Hacker konnte mit seinem Auftritt nicht zufrieden sein. Im Einer-Finale blieb dem deutschen Meister aus Frankfurt nur Rang fünf. Das hochkarätig besetzte Rennen, in dem bis auf Weltmeister Mahe Drysdale (Neuseeland) die komplette Skiff-Weltelite vertreten war, dominierte der Brite Alan Campbell. Die deutliche Niederlage bereitete Hacker aber kein Kopfzerbrechen: «Bei dem Wind interessiert mich das nicht die Bohne.» Er sah sich - ähnlich wie der Achter - als Opfer der schwierigen Bedingungen mit starkem Seitenwind, der die Starter auf den von der Tribüne weiter entfernten Bahnen benachteiligte. «Ich habe mich im Halbfinale verzockt. Da hätte ich mit einem Sieg für eine bessere Bahn im Endlauf sorgen können, erklärte Hacker.
In allen Bootsklassen wird die Luft in der Weltspitze im Olympiajahr dünner. Vor allem die Chinesen sorgten auf der WM-Strecke von 2007 für Aufsehen. Mit insgesamt drei Siegen untermauerten sie ihren Anspruch, auch in der für sie bisher wenig erfolgreichen Sportart Rudern möglichst viele Medaillen zu gewinnen. Der wundersame Leistungsschub sorgte nicht nur für Bewunderung, sondern auch für Argwohn. Der aufkommenden Diskussion, dass unerlaubte Mittel im Spiel sein könnten, wollte sich Müller jedoch nicht anschließen: «Ich gehe vom Guten im Menschen und deshalb davon aus, dass die Ergebnisse aufgrund von Trainingsmethodik erzielt wurden.»
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