VfB Friedrichshafen will Berlin stürzen

Friedrichshafen (dpa)  Der VfB Friedrichshafen hat jetzt einen Weltmeistercoach. Vital Heynen betreut den deutschen Volleyball-Rekordmeister zwar schon seit 2016, gewann mit Polen aber nun WM-Gold. Der Belgier will endlich die die Berlin Volleys stürzen.

Von Martin Moravec, dpa

Vital Heynen
Vital Heynen will mit Friedrichshafen die Berlin Volleys angreifen.  

Als frisch gekürter Weltmeister will Vital Heynen mit dem VfB Friedrichshafen endlich die Vorherrschaft von Serienmeister Berlin Volleys brechen.

Knapp zwei Wochen nach dem Titelgewinn mit Polen bei der Endrunde in Italien startet der Belgier mit dem Rekordchampion vom Bodensee den Sturm auf die Hauptstädter in der Saison eins nach Stelian Moculescu. «Ich werde kaum sagen, dass wir nicht Meister werden wollen», sagte Libero und Neukapitän Markus Steuerwald vor dem Derby-Auftakt beim TV Rottenburg.

Nach drei Finalniederlagen in Serie gegen den Berliner Dauerrivalen wollen die Friedrichshafener endlich wieder eine Bundesligasaison krönen. In der vergangenen Spielzeit sah es lange Zeit danach aus, denn der VfB feierte 37 Pflichtspielsiege am Stück. Dann verdarb aber der von den Volleys reaktivierte Moculescu seinem langjährigen Verein die Endspielserie. Heynen und seine Mannschaft mussten sich schließlich mit Pokal und Supercup trösten - was das Minimalziel für die anstehende Spielzeit ist.

Der Start könnte für den VfB holprig werden. Nicht nur weil der frühere Bundestrainer Heynen wegen der WM erst vor wenigen Tagen in die Vorbereitung einstieg, sondern auch, weil Friedrichshafen auf zwei neue Zuspieler setzt. Simon Tischer beendete seine Karriere, Tomá? Kocian wechselte zu den Powervolleys Düren. Neu sind Martin Krüger (TSV Herrsching) und der tschechische Nationalspieler Jakub Janouch. Sein Duo brauche «noch Zeit», mahnte Heynen.

Einen gravierenderen Umbruch erleben die Berliner. Moculescu hat sich endgültig zurückgezogen, gleich sieben neue Spieler schlagen künftig für den Titelverteidiger auf. «Individuell sind wir sicher nicht schlechter besetzt als in der vergangenen Saison. Aber Spieler wie Robert Kromm oder Paul Carroll als Persönlichkeiten zu ersetzen, das muss erst noch wachsen», meinte Manager Kaweh Niroomand vor dem Auftakt bei Aufsteiger Grizzlys Giesen. Kromm hat seine Karriere beendet, Carroll setzt seine Laufbahn in Russland fort.

Außerdem ist natürlich der Trainer der Berliner neu. Der Franzose Cédric Énard führte Tours VB in seiner Heimat zur Meisterschaft und soll nun auch die Volleys weiter an der Spitze halten. Wie auch Heynen verpasste Énard weite Teile der Vorbereitung, weil er bei der WM als Assistenzcoach der Franzosen im Einsatz war. Für den 42-Jährigen ist Berlin «eine große Nummer in Europa», deshalb sei ihm die Entscheidung für den neuen Arbeitgeber auch leicht gefallen.

Dass Führungsspieler wie Kromm und Carroll oder weitere Stützen wie Libero Luke Perry gegangen sind, schreckt Énard nicht. «Genau so eine Herausforderung wollte ich», versicherte er. Und die bekommt Énard bei dem neunmaligen Meister also auch. Sein neuer Kapitän Sebastian Kühner berichtet immerhin schon mal von einem guten Mannschaftsklima. «Die Leute sind alle so motiviert, dass man nur noch die grobe Richtung vorgeben muss», sagte der frühere Nationalspieler.

Kann überhaupt jemand dem Duo Berlin und Friedrichshafen gefährlich werden? Am ehesten dürften dazu wohl die United Volleys aus Frankfurt um den neuen Coach Stelio DeRocco und Fusionsverein Hypo Tirol Alpenvolleys Haching in der Lage sein.