Rolli-Basketballerin Kues: Mitschüler Kiefer

Peking (dpa)  Die Rollstuhl-Basketballerin saß mit Tennisstar Nicolas Kiefer in Dassel gemeinsam auf der Schulbank, doch nach dem Abitur trennten sich ihre Wege. Der Hannoveraner machte Karriere auf der ATP-Tour, Simone Kues musste einen folgenschweren Schicksalsschlag verkraften.

Von Britta Körber und Frank Kastner, dpa
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Simone Kues im Halbfinalspiel gegen Japan.

Es ist Freitag, der 13. September 1996. Simone ist nach dem Abitur mit ihrer Zwillings-Schwester Corinna nach Irland auf eine Pferde-Farm gefahren. Das satte Grün der irischen Landschaft will kein Ende nehmen. Sie genießt den Tag auf dem Rücken ihres Pferdes. Es heißt «Lucky» (der Glückliche). Dann der Sturz.

Simone fällt nicht zum ersten Mal vom Pferd. Doch diesmal kann sie nicht mehr aufstehen. Sie spürt ihre Beine. Es wird gut, denkt sie. Es wird nicht gut. Zwei Operationen in Irland, danach bleiben die Beine für immer gelähmt. Irgendwo auf einem Turnier in der Welt erfährt auch Nicolas Kiefer von dem Schicksalsschlag seiner Schulfreundin. «Hat mir mein Vater am Telefon erzählt. Ich war betroffen», sagte Kiefer damals.

Simone verbringt eineinhalb Jahre im Krankenhaus. Nächte voller Tränen, Zukunftsängste. Aber Simone ist eine starke, junge Frau. Ihr eiserner Wille bedeutet Zukunft, ihre Familie ist der große Halt. Sie kämpft sich ins Leben zurück. Sie studiert Psychologie, spielt Rollstuhlbasketball erst in Göttingen, jetzt in Lüneburg und wurde Nationalspielerin. «Soviel bin ich vor meiner Verletzung nicht in der Welt rumgekommen», betonte die Spielerin vom RBV Lüneburg.

Bei den Paralympics in Athen ging sie acht Jahre nach ihrem folgenschwere Unfall, bei dem sie sich eine Querschnittslähmung zuzog, mit Rang vier im Rollstuhlbasketball leer aus. Nun klappte es in Peking endlich mit der Medaille - Silber nach einem packenden Endspiel gegen die USA.

Zu Hause ist Simone Kues wie Nicolas Kiefer im Solling - ein Mittelgebirge im niedersächsischen Weserbergland. Simone reitet sogar wieder. Der Rollstuhl mag ein Hindernis sein, «ist aber nicht unüberwindbar», betonte sie. «Das hat Simone bewiesen. Sie ist ein Vorbild, das vielen Menschen in ähnlicher Situation Mut macht», erklärte Kiefer, der seine Schulfreundin erstmals wieder 2004 beim Sport-Empfang des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulf (CDU) traf. Es war ein bewegendes Wiedersehen.


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