Florian Wellbrock wagt das WM-«Experiment»

Gwangju (dpa)  Eine Woche liegen zwischen Florian Wellbrocks WM-Triumph im Freiwasser und dem ersten Start im Becken. Rückschlüsse auf Olympia lässt sein Schwimm-Spagat nicht in Gänze zu. Im Idealfall glückt es ihm aber wie dem Bezwinger des Rekordweltmeisters.

Von Christian Kunz und Thomas Eßer, dpa
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Experiment
Kämpft auch über 800 und 1500 Meter um Medaillen: Florian Wellbrock beim Training am Wettkampfbecken.

Im Kampf um das WM-Triple ist Weltmeister Florian Wellbrock selbst gespannt. «Es ist ein bisschen ein Experiment, was ich hier mache mit den zehn Kilometern vorweg», sagte der Freiwasser-Champion und größte deutsche Goldkandidat im Becken.

«Bleibt abzuwarten, wie ich das wegstecke. Momentan bin ich der Meinung, dass es ganz gut funktioniert.» Vom 23. Juli an kämpft er bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Gwangju über 800 und 1500 Meter Freistil um Bestzeiten - und Medaillen.

Der Wechsel vom Freiwasser ins Becken wie im WM-Programm oder vom Becken ins Freiwasser wie bei Olympischen Spielen bringt allerdings eine große Herausforderung mit sich. Auch für Beides-Könner wie Wellbrock. «Das ist sicher nicht so einfach, vor allem wenn Open Water vorneweg kommt», sagte auch Freiwasser-Rekordweltmeister Thomas Lurz, der Wellbrock große Erfolge in beiden Disziplinen zutraut. «Es gab schon Beispiele, dass es funktionieren kann.»

Oussama Mellouli etwa wurde 2012 in London vor Lurz Olympiasieger im Freiwasser und siegte zuvor über 1500 Meter Freistil. Solch ein Glanzstück glückte aber noch keinem anderen. «Bei der WM ist es körperlich die Mehrbelastung. Bei den Olympischen Spielen ist es eher die psychische Belastung, die Spannung über einen so langen Zeitraum aufrechtzuerhalten», sagte Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz. «Aber wenn man so einen Sportler hat, der in beiden Disziplinen um Medaillen mitkämpfen kann, dann ist das immer eine schwierige Entscheidung.»

Während Wellbrock vor dem langen Rennen in Yeosu «auf heißen Kohlen saß» und endlich die WM beginnen wollte, nutzt er nun die Zeit «gerne zum Regenerieren». Auch Konkurrenten wie der Italiener Gregorio Paltrinieri oder der Amerikaner Jordan Wilimovsky wagen den Schwimm-Spagat in gleich zwei Disziplinen.

Man könne eigentlich gar nicht so viel aus dem Erfolg vom Freiwasser mitnehmen, wie man sich das als Außenstehender vielleicht vorstelle, sagte Wellbrock in Gwangju. Anders als über zehn Kilometer mit dem mitunter recht harten Kampf Mann gegen Mann stehen auf der 50-Meter-Bahn andere Tugenden im Fokus.

«Im Becken ist es ein komplett anderes Rennen. Man schwimmt da für sich alleine, nur gegen sich selbst und gegen die Uhr», sagte der Magdeburger. «Im Freiwasser kann man sich immer auch acht Kilometer von irgendjemandem durchziehen lassen, wenn irgendwas nicht optimal läuft. Aber das musste ich ja zum Glück nicht machen.»


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