Carapaz als erster Ecuadorianer in Rosa - Roglic stürzt

Como (dpa)  Wie in den vergangenen Jahren geht es beim Giro d'Italia wieder eng zu. Neuer Gesamterster ist Richard Carapaz. Der Kletterer aus Ecuador profitiert auch davon, dass Topfavorit Primoz Roglic stürzt. Auch Altstar Vincenzo Nibali ist wieder im Rennen.

Von Stefan Tabeling, dpa

Carapaz
Radsportler Carapaz (M) im Kreise seines Movistar-Teams.

Topfavorit Primoz Roglic hat mit einem Sturz auf der rasenden Abfahrt zum Comer See weiter Zeit verloren, der große Gewinner der ersten Bergetappen des Giro d'Italia heißt Richard Carapaz.

Als erster Ecuadorianer im Maglia Rosa hat der 25 Jahre alte Kletter-Spezialist auf dem 15. Teilstück über 232 Kilometer von Ivrea nach Como seine Führung in der Gesamtwertung auf 47 Sekunden auf den slowenischen Ex-Skispringer ausgebaut. Auch der angriffslustige Altstar Vincenzo Nibali ist im Kampf um den Gesamtsieg wieder zurück im Rennen.

Den Tagessieg holte sich der italienische Ausreißer Dario Cataldo vor seinem Landsmann Mattia Cattaneo. Doch im Mittelpunkt stand der Kampf um die Gesamtwertung. Und da war Roglic am letzten Anstieg des Tages der große Verlierer. Erst musste der Slowene nach einem Problem mit seinem Rad die Rennmaschine eines Teamkollegen übernehmen, dann konnte er eine Attacke seiner größten Rivalen Carapaz und Nibali nicht parieren. Bei der anschließenden Abfahrt kam Roglic danach zu Fall und konnte sich gerade noch an der Leitplanke halten, um Schlimmers zu verhindern.

Es war ein Wochenende zum Vergessen für Roglic. Schon am Samstag hatte der 29-Jährige beim Etappensieg von Carapaz das Rosa Trikot um sieben Sekunden verpasst, nachdem er dem Mann aus Ecuador nicht hinterhergefahren und stattdessen erneut am Hinterrad von Nibali geblieben war. Das erzürnt den 34-jährigen Sizilianer, der 1:47 Minuten hinter Carapaz Gesamtdritter ist, immer mehr. «Wenn er mir auch noch nach Hause folgen will, werde ich ihm meine Trophäen zeigen», schimpfte Nibali jüngst.

Der frühere Skispringer Roglic, der erst seine vierte Grand Tour bestreitet, müsse sich anders verhalten, so Nibali. Es ist eine komplizierte Angelegenheit für den Slowenen, der durch seine zwei Siege im Einzelzeitfahren einen guten Vorsprung auf Nibali rausgefahren hatte und einen weiteren Kampf gegen die Uhr zum Abschluss in Verona noch als Trumpf in der Hinterhand hält. Denn in den Bergen ist der 29-Jährige auf sich alleine gestellt, da sein Jumbo-Visma-Team zu schwach ist. Das wissen die Rivalen und bringen Roglic mit ihren Attacken in die Bredouille. Der Gewinner sind die Zuschauer, die sich über einen spannenden Rennverlauf freuen - ganz im Gegensatz zur Tour de France, wo die Mannschaft von Chris Froome und Geraint Thomas in den vergangenen Jahren das Geschehen jederzeit im Griff hatte.

Weiter geht es beim Giro am Dienstag mit der Königsetappe über 194 Kilometer von Lovere zum Ponte di Legno, wenngleich der 2618 Meter hohe Gavia-Pass wegen Lawinengefahr aus dem Programm genommen werden musste. Hohe Schneewände türmen sich dort entlang der Strecke und auf der Abfahrt hätte Eisglätte gedroht. Vorher wartet noch der zweite Ruhetag am Montag, den insbesondere die Sprinter zu einer Verschnaufpause nutzen können. Wie etwa Giro-Debütant Pascal Ackermann, der bereits zwei Etappen gewann und in der Schlusswoche noch einen Angriff auf das Punktetrikot des Franzosen Arnaud Démare starten will.


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