Nach der Trennung des Traumpaares: Hoys Neustart

Warendorf (dpa)  Die «Olympiasiegerin der Herzen» hat eine schwere Zeit hinter sich. Bettina Hoy hat nach dem Ende ihrer Ehe aber wieder Mut gefasst und plant nun für die Olympischen Spiele in London 2012.

Von Michael Rossmann, dpa

Alte Zeiten
Ein Bild aus glücklichen Zeiten: Bettina Hoy (l) mit ihrem Ehemann Andrew Hoy. Foto: Rolf Vennenbernd

Es tut noch immer weh - und das Reden fällt der sonst so eloquenten Bettina Hoy nicht leicht. Aber sie hat sich entschlossen, jetzt stark zu sein und nach langem Zögern auch öffentlich über das Ende ihrer Ehe zu sprechen. «Es hat lange gedauert, bis ich da rausgekommen bin», sagt Deutschlands erfolgreichste Vielseitigkeitsreiterin. Und beteuert: «Ich lasse mich nicht unterkriegen.»

Ihre Ehe galt als Traum-Ehe, öffentlich gelebt und von vielen bewundert. Die Europameisterin von 1997 und der dreimalige Olympiasieger Andrew Hoy - sie waren mehr als ein Jahrzehnt das Vorzeige-Paar des Reitsports. Zusammen wohnten und arbeiteten sie in Gatcombe Park, dem privaten Landsitz der britischen Prinzessin Anne. «Wir haben alles sehr intensiv zusammen gemacht», sagt die Reiterin, das galt für das Private und das Sportliche.

In Athen traten sie 2004 als erstes Ehepaar der Olympia-Geschichte gegeneinander an. Bettina Hoy gewann Gold, verlor es aber noch in Athen vor dem Sportgerichtshof CAS und wurde hierzulande als «Olympiasiegerin der Herzen» berühmt. Immer an ihrer Seite, auch bei der CAS-Verhandlung oder zwei Jahre später beim WM-Sieg in Aachen, ihr Mann Andrew.

Um so schlimmer war das Ende: «Da fällt man in ein großes Loch.» Auch die Pferde und der Sport hätten darunter gelitten, sagt sie. Jetzt aber ist die Reiterin gewissermaßen aus dem Loch herausgeklettert. Nachdem in der Pferdesport-Szene schon lange getuschelt worden war, redet die 49-Jährige nun öffentlich über die Trennung. «Das ist ein Schritt zum neuen Ich», sagt Bettina Hoy: «Man muss sich selbst wieder auf die Füße stellen.»

Bettina Hoy ist eine Frau, die in ihrem Sport schon einige Höhen und viele Tiefen erlebt hat. Dazu gehört auch der plötzliche Tod ihres Pferdes Woodsides Ashby während eines Turniers im bayrischen Kreuth vor sechs Jahren. Oder die kurzfristig geplatzte Olympia-Teilnahme 2008 wegen einer Verletzung von Ringwood Cockatoo. «Bei mir geht es wohl nicht ohne Drama», sagte sie damals in Aachen.

Nun träumt sie von den Olympischen Spielen in England, wo sie viele Jahre zu Hause war. «Ich hoffe auf ein kleines Türchen für Olympia», sagt Bettina Hoy: «Maßgabe ist ein gutes Ergebnis bei einem Vier-Sterne-Turnier.» Geplant ist, dass sie mit Lanfranco in Badminton im Mai den Härtetest bestreitet. Durch den Verkauf einiger deutscher Spitzenpferde, zuletzt Mr. Medicott von Mannschafts-Olympiasieger Frank Ostholt, sind Hoys Chancen wieder ein wenig gestiegen.

«Ich will weiter auf Top-Niveau reiten», sagte Hoy, die ihre ersten Erfolge unter dem Mädchennamen Overesch feierte. Verstärkt hat sie aber auch das Training anderer Reiter, vor allem in den USA. «Ich will zweigleisig fahren, auch aus finanziellen Gründen.» Das ist auch ein Teil des Neustarts für sie. Daher sei sie «sehr viel unterwegs».

In Warendorf, am Verbandssitz, hat die dreimalige deutsche Meisterin seit mehr als zwei Jahren ihre Pferde stehen - anfangs noch zusammen mit Andrew, der inzwischen wieder nach Großbritannien gezogen ist. Im Ortsteil Hoetmar wohnt sie. «Es sind viele Freunde hier, und meine Familie in Rheine ist auch nicht weit entfernt», sagt Bettina Hoy: «Das ist wichtig, gerade in so einer Zeit.»