WM Ziel und Ende: Diskus-Ass Möllenbeck hört auf

Düsseldorf (dpa)  Letzte Ausfahrt Olympiastadion Berlin: Bei der Heim-Weltmeisterschaften im August soll der Diskus von Michael Möllenbeck noch einmal fliegen, bevor der Athlet seine Karriere nach einem Vierteljahrhundert beendet.

Von Andreas Schirmer, dpa

Diskus-Ass
Diskuswerfer Michael Möllenbeck hält beim Training einen Diskus in die Höhe.

«Ich will noch einmal voll angreifen. Die Erfolge sprechen für mich», sagt der 39-jährige Wahl-Saarbrücker. «Und wenn ich dann noch mal Platz acht oder mehr erreiche, hebe ich die Arme.» Bisher ist er aber noch weit davon entfernt, ein WM-Ticket zu lösen. Mit der bisherigen Saisonbestleistung von 61,98 Metern fehlen an der Norm noch 2,52 Meter. «Die Leistung stimmt, ich habe nur noch Probleme mit der Dynamik», erklärt Möllenbeck.

Grund dafür sind Heuschnupfen-Attacken und vor allem zahlreiche Nachtschichten, die er zum Ende des Studiums im Bereich Fitnessökonomie für die Fertigstellung der Diplomarbeit zum Thema «Refinanzierung der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin» einlegen musste. «Dass hat viel Kraft gekostet. Jetzt konzentriere ich mich ganz auf die WM», meint Möllenbeck, der in seiner Abschlussarbeit den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) als WM-Verlierer ausgemacht hat: «Ich habe die Zahlen ausgewertet. Für einen Veranstalter lohnt sich eine WM ökonomisch nicht.»

Dagegen erwartet er durch die Unterstützung des heimischen Publikums einen positiven Effekt auf das Leistungsvermögen. «Seit der Europameisterschaft 2002 in München weiß ich, was vor heimischer Kulisse möglich ist. Deshalb ist Berlin ein zusätzlicher Ansporn für mich», sagte der EM-Dritte von 2002. Dass der für den TV Wattenscheid 01 startende Diskus-Evergreen den Dreh raus hatte, bewies er 2001 und 2005 mit dem Gewinn von jeweils einer WM-Bronzemedaille.

Nachdem Möllenbeck sich 2008 nicht für die Olympischen Spiele in Peking qualifizierte, nimmt er zum letzten Mal die Mühsal auf sich, um in Berlin noch einmal zu den Besten der Besten zu gehören. «Ältere Athleten können Spitzenleistungen bringen, brauchen aber Ruhephasen», sagt Möllenbeck, der von all zu vielen Verletzungen verschont blieb. «Ich habe ein gutes Werkzeug, meinen Körper. Und wenn meine Disken weit geflogen sind, konnte ich Schmerzen verkraften.»

Dies verdankt er auch seinem Trainer Miroslav Jasinski, mit dem er seit 1998 zusammenarbeitet. «Er hat den Plan schon damals so eingestellt, dass ich immer gut regenerieren kann. Den Erfolg sieht man an den Medaillengewinnen», meint Möllenbeck. Dabei ist es nicht mehr so einfach für den Zwei-Meter-Hünen, sich mental auf die Quälerei im Training einzustellen: «Schwierig ist die Motivation, harte Einheiten anzugehen.»

An Willen, Ehrgeiz und einen eigenen Kopf hat es Möllenbeck, der lange im Schatten des fünfmaligen Weltmeisters Lars Riedel stand, nie gefehlt. In der Diskus-Szene und in der Öffentlichkeit galt er lange als Querkopf und Querulant. Während eines Trainingslager 1994 im portugiesischen Albufeira randalierte er und wurde vom DLV für vier Monate gesperrt. «Man schafft es nicht in die Weltspitze, wenn man keinen eigenen Kopf hat», meint Möllenbeck. «Ich bin kein reingewaschener Kieselstein. Mir konnte man nicht alles erzählen.»

Seine Bestleistung steht nach 25 Jahren im Ring bei 67,64 Meter, und trotz manchen Ärgers und Irrwegs zieht Möllenbeck eine positive Bilanz. «Grundsätzlich würde ich den einen oder anderen Abzweig nehmen. Doch ich habe die Zeit genossen», resümiert er zufrieden. Froh ist er, dass in Robert Harting und Markus Münch längst zwei starke Nachfolger am Start sind. Kein großes Interesse hat er daran, später Trainer zu werden: «Ich wurde von verschiedener Seite angefragt, doch ich sehe mich eher als Schreibtischtäter.»