Beate meets President - Volunteers bei der WM
Da steht er plötzlich vor ihr in seiner ganzen stattlichen Größe, und dann raunt auch noch dieser Bodyguard: «Das ist der Präsident...» Doch Beate Schubert macht ganz einfach ihren Job, sie macht ihn gut, und deshalb sagt sie höflich «Good morning.»

Und dann will sie natürlich die Akkreditierung sehen von Diack, Lamine, IAAF-Präsident. Der Chef des Leichtathletik-Weltverbandes hat kein Problem damit, außerdem hat er ja die «1» auf seinem Plastik- Pass und kommt immer und überall durch.
Beate meets President: Nur die «Einser», allen voran der große Senegalese Diack, dürfen auf die «VVIP-Tribüne», da passt Frau Schubert schon auf. Die 31-Jährige gehört zu den 3300 Volunteers der WM. Ohne die fleißigen Helfer geht bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin gar nichts. «Ich mache das nicht zum ersten Mal. Schon beim Confed Cup, bei der Hockey-WM und der Fecht-WM 2005 in Leipzig war ich dabei», erzählt die Redakteurin eines Berliner Radiosenders.
Volunteers mit roten Shirts sind für das Protokoll zuständig und als Team-Attachés eingeteilt. Eine besondere Verantwortung, man sollte schon Gespür für den angemessenen diplomatischen Umgang haben. Frau Schubert hat es drauf, außerdem spricht sie Englisch, Spanisch und Französisch. Doch ums Olympiastadion herum schweben auch viele andere gute Geister: in Hellblau (Medien/IT), Gelb (Besucherservice), Grün (Medizin und Erste Hilfe) oder Dunkelblau (Fahrer).
«Da steht plötzlich Maurice Greene neben dir und guckt, wie der Bolt da unten läuft und ist genauso aus dem Häuschen wie du. Das fetzt doch!», sagt Beate Schubert, die gebürtige Lausitzerin, im fast lupenreinen Berliner Jargon. Greene, der Olympiasieger und dreifache 100-Meter-Weltmeister aus den USA, ist indes nicht der einzige «sehr Wichtige», den die Helferin auf den angestammten Platz gesetzt oder in die richtige Loge gelotst hat.
Fürst Albert von Monaco, IOC-Präsident Jaques Rogge, Stabhochsprung-Weltrekordler Sergej Bubka, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, die ehemalige Weltklasse-Weitspingerin Heike Drechsler - mit dem einen oder anderen Promi hat Beate Schubert «auch schon mal Small Talk gemacht».
Geld gibt es für den wichtigen Job nicht, viele der Helfer aus aller Herren Länder nehmen sich extra Urlaub oder opfern ihre kostbare Freizeit. Als Dank gibt es Essenmarken, freien Eintritt ins Freibad und zum «Volunteers-Block» 18. Beates rotes Polo-Shirt leuchtet, und die junge, sportliche Frau strahlt wie «Klärchen» über Berlin: Der gefragte Job macht der Studentin der Betriebswirtschaft (Projekt-Management) richtig Spaß. «Ich habe als Volunteer viele neue Freunde gewonnen, in Deutschland und auch international.»
Viel gäbe es noch zu erzählen vom spannendsten «Nebenjob» beim größten internationalen Sportereignis des Jahres. Doch Beate Schubert muss los. Die Spätschicht fängt an. Und vielleicht kommt ja wieder der Präsident.
Stimme.de